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Happy-Go-Lucky

Userwertung 5/10
Komödie von Mike Leigh über den Alltag einer jungen Lehrerin.
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Inhalt
  • Poppy arbeitet als Grundschullehrerin im Norden Londons und ist das, was man eine wahre Frohnatur nennt: stets gut gelaunt, offenherzig, hilfsbereit und ihren Mitmenschen gegenüber unvoreingenommen. Kurzum: Poppy muss man einfach gern haben. Mit der großen Liebe hat es allerdings noch nicht so richtig geklappt – ist aber auch halb so wild. Schließlich hat Poppy ja ihre Mitbewohnerin Zoe, ihre Schwester Suzy und noch einen ganzen Haufen bester Freundinnen, mit denen sie um die Häuser ziehen kann. Poppys unbeschwerte Art löst in ihrer oft etwas missgelaunten Umwelt allerdings auch Befremden und Erstaunen aus. Manche halten sie für ein wenig schlicht, einige sogar für verrückt. Auf jeden Fall aber führt Poppys Dauerflirt mit dem Leben zu den absurdesten Situationen, deren Komik nicht selten in anarchischer Auflösung gipfelt.
Credits
Awards, Auszeichnungen und Preise
Filmkritik
  • Der 1943 geborene  britische Filmemacher Mike Leigh ist primär für dreierlei  bekannt:

    1. Er ist ein Vertreter des typisch britischen Social-Realism  - in gedämpften Farben und mit eher statischer Kamera taucht er in den Alltag seiner weitgehend normalen, allenfalls eine Spur exzentrischen, Figuren ein.
    2. Die meisten seiner Filme sind Dramen, deren Bitterkeit durch einen Schuss Komik gedämpft wird.
    3. Sein Interesse und auch seine Sympathie gilt meist den Frauenfiguren – in seinen Filmen gibt es mehr weibliche, als männliche Hauptfiguren, zudem sind die Frauenfiguren häufiger positiv besetzt.

    Mit „Happy-Go-Lucky“, Leighs diesjährigem Beitrag zum Offiziellen Wettbewerb der Berlinale, der Hauptdarstellerin Sally Hawkins berechtigterweise den silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin einbrachte, hat Leigh nun das Kunststück vollführt, einerseits etwas von ihm eher Ungewohntes vorzulegen, sich andererseits aber absolut treu zu bleiben.
    Altbekannt sind Erzählstil und Optik - das Eintauchen in den Alltag der Hauptfigur, die gedämpften Farben, die statische Kamera - alles wie gehabt.
    Wenig überraschend auch, dass die weibliche Hauptfigur, die mit einer fast schon penetrant guten Laune gesegnete Grundschullehrerin Poppy,  ausschließlich positiv besetzt ist, während sich unter den gerade mal  zwei etwas wichtigeren männlichen Nebenfiguren auch gleich der größte Unsympath des Films findet – Poppys Fahrlehrer Scott, ein ziemlich armseliger, rassistischer und verklemmter Choleriker der die gute Laune Poppys doch arg strapaziert.
    Erstaunlich hingegen ist die Wahl des Genres: „Happy-Go-Lucky“ ist eine Komödie mit vielen skurrilen Szenen und allenfalls dem Hauch einer Ahnung von den alltäglichen Dramen, die sich um Poppy herum abspielen.

    So sympathisch, optimistisch und vor allem auch  menschenfreundlich und ganz und gar nicht oberflächlich sondern tatsächlich überraschend aufmerksam ist die hier präsentierte Hauptfigur, so ungebrochen ist die Komödie,  dass „Happy-Go-Lucky“ tatsächlich wie der exakte Gegenentwurf zu dem 1993 entstandenen düsteren Drama „Naked“ erscheint, in dem dem Leigh einen menschenverachtenden Vergewaltiger und blütenreinen Egoisten (gespielt von David Thewlis) porträtierte.

    Während der Berlinale sorgte Leighs Komödie unter den, dank zahlreicher Dramen im Wettbewerbsprogramm,  eher depressiv verstimmten Journalisten zu einem spürbaren Stimmungshoch, das Zitat „EN-RA-HA“  (die wie ein Mantra stetig wiederholte Eselsbrücke, mit der Fahrlehrer Scott Poppy  die richtige Nutzung der Spiegel einbläuen will)  mauserte sich gar zu einem regelrechten running-gag.

    Ganz uneingeschränkt ist Happy-Go Lucky dennoch nicht zu empfehlen. Eher fernbleiben sollten:  jüngere Kinogänger ab (minimum) 20 abwärts ebenso wie jene, die in einer Komödie Schenkelklopfer am laufenden Band sehen wollen; daneben Actionliebhaber und Freunde beweglicher Kameras, schneller Schnitte und sonstiger optischer Spielereien  und schließlich auch all jene, die Wert auf eine „normale“ Erzählstruktur mit Höhepunkt, klarer Lösung und einer erkennbaren Charakterentwicklung legen.
    Alle anderen aber werden in Leighs liebenswerter, intelligenter Alltags-Komödie sicher ihren Spaß haben. EN-RA-HA!


    Julia Nieder






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Userkommentare
8martin vom 02.01.2012
Selten war ein Film so total reine Ansichtssache wie der hier. Man kann verständlicherweise der Ansicht sein, dass Poppy (Sally Hawkins) beneidenswert in ihrem grenzenlosen Optimismus ist, andere meinen sie sei bemitleidenswert in ihrer Naivität. Wie dem auch sei, es ist kein toller Film. Mike Leigh hat sich an eine Art Komödie gewagt, die bisher erst einmal sein Metier war.
Poppy kann einem ganz schön auf den Senkel gehen mit ihrer affigen Albernheit. Sie zelebriert das Chaos um sich herum, weil sie doch wohl etwas schlicht ist. Und so plätschert ihr Geplapper ohne Witz und Charme so vor uns hin. Eine Dreißigjährige benimmt sich eigentlich nicht so infantil. Es wird zunehmend langatmiger und bleibt eindimensional, denn die Handlung dreht sich im Kreise (Fahrstunde, Flamencokurs Pennergespräch). Gäbe es keinen One-Night-Stand mit einem Sozialarbeiter, wäre die Männerwelt völlig außen vor geblieben. Und selbst dabei benimmt sich Poppy etwas doof und keineswegs sexy.
Und dann bricht als dramatischer Höhepunkt völlig unvorbereitet eine sinnfreie aber handgreifliche Auseinandersetzung mit ihrem Fahrlehrer aus. Kurz und heftig - ergebnisoffen!
Die Message: ?Poppy will die ganze Welt glücklich machen!? So einfach ist das. Na wer?s glaubt!?


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