David und Jennifer sind zwei typische Teenager der 90er Jahre: die Eltern geschieden, die Schule deprimierend, Freundschaften stets eine ständige strategische Herausforderung, die Zukunftsperspektiven gleich null.
Inhalt
David und Jennifer sind zwei typische Teenager der 90er Jahre: die Eltern geschieden, die Schule deprimierend, Freundschaften stets eine ständige strategische Herausforderung, die Zukunftsperspektiven gleich null. Ist es dann ein Wunder, daß David von der alten Soap Pleasantville restlos begeistert ist? Jene schwarz-weiß-Welt ist noch in Ordnung: alle sind nett zueinander, jeden Tag scheint die Sonne, und beim Basketball ist jeder Wurf ein Treffer. Über einen Streit um die kaputte Fernbedienung wird an einem seltsamen Abend Davids Sehnsucht nach einem Leben a la Pleasantville von einem geheimnisvollen TV-Techniker erfüllt: die Geschwister werden in die Serie "gebeamt". Während David als eingefleischter Fan der Serie sich dort als "Bud" prächtig zurechtfindet, ist seine Schwester Jennifer weniger angetan von der Vorstellung, ihr Dasein fortan als niedliche "Mary-Sue" im Schoß der fiktiven Familie Parker zu fristen, nur um mit naiven Freundinnen, züchtigen Dates und üppigen, cholesterinstarken Wirtschaftswunder-Mahlzeiten konfrontiert zu werden...
Früher war die Welt noch in Ordnung. Von
wegen! Das keimfreie Pleasantville mit
seinen schnuckeligen Vorgärten, artigen Kids
und einer Feuerwehr, die niemals löschen
muß, ist ein mentaler Käfig ohne Freiheit,
Fortschritt, Toleranz und Selbstbestimmung.
Soviel zur Botschaft dieses technisch
aufwendigen Films über die Transformation
einer scheinbar perfekten Fernsehwelt in eine
ungeordnete, letztlich aber bessere Realität
mit wirklichen Problemen und Konflikten und
vor allem: mit Farbe. Daß Gary Ross'
Regiedebüt schließlich von seinen
Spezialeffekten lebt – nach und nach
werden die vormals schwarzweißen
Menschen und Objekte farbig – ist
bezeichnend für einen Film, dessen
hochgesteckte Prämisse an "Die Truman
Show" erinnert.
Subtilität und Einfallsreichtum aber sind nicht
die Stärken dieses an sozialkritischen
Metaphern reichen Films. Wo andere "nur" mit
dem Zaunpfahl winken, packt Ross, der auch
für das Drehbuch verantwortlich ist, lieber
gleich den ganzen Gartenzaun. Übertriebenes
moralisches Sendungsbewußtsein ist dann
auch die größte Schwäche dieser mit zwei
Stunden Spielzeit viel zu lang geratenen
Filmparabel – nach spätestens einer
Stunde hat auch der Letzte die Botschaft
gefressen.
Langeweile macht sich breit: Trotz allzu
offensichtlicher Parallelen zu
schwarz-weißem Rassenhaß, Kristallnacht
und Bücherverbrennungen ist in
"Pleasantville" niemand wirklich in Gefahr. Am
Ende ist das virtuelle Fernsehstädtchen nur
ein harmloser Mikrokosmos – ein
überschaubares Experimentierfeld für die
politisch überkorrekte Message eines
Filmemachers, dessen gut gemeintes
Märchen den Zeigefinger gen Himmel reckt:
Doch "gut gemeint" ist nicht gleich "gut
gemacht".