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Jacques Tati in Playtime
Jacques Tati in Playtime
© Specta Films

TV-Tips für Samstag (9.1.): Herrliche Zeiten mit Monsieur Hulot

Arte zeigt "Tatis herrliche Zeiten"

Am Samstagabend sind wieder die Nachteulen unter den Kinofans gefragt, denn die sehenswerten Streifen laufen erst im Nachtprogramm. Mit Abstand am sehenswertesten ist die französische Komödie "Tatis herrliche Zeiten" des Meisterregisseurs Jacques Tati, die auf ARTE läuft.

"16 Blocks", ZDF, 00:05 Uhr

Ein alternder, alkoholabhängiger Polizist (Bruce Willis) erhält den Auftrag, einen Zeugen (Mos Def) aus dem Polizeigewahrsam zum Gerichtsgebäude 16 Straßenzüge weiter zu bringen. Doch die scheinbar leichte Routineaufgabe wird zu einer Angelegenheit von Leben und Tod.

1977 war Clint Eastwood "Der Mann, der niemals aufgibt". In dem von ihm auch inszenierten "The Gauntlet" (so der Originaltitel) muss Eastwood als Polizist eine Prostituierte von Las Vegas nach Phoenix überführen, damit sie in einem Mafia-Verfahren aussagen kann - was die Mafiosi mit allen Mitteln verhindern wollen. Zwei Jahrzehnte später findet sich Bruce Willis in diesem Quasi-Remake vor der gleichen Situation wieder, diesmal allerdings im Großstadtdschungel von New York City.

Action-Spezialist und Altmeister Richard Donner ("Lethal Weapon") setzte den thematisch simpel konstruierten Thriller mit einigen hervorragend inszenierten Action-Sequenzen für satte 55 Millionen Dollar in Szene. Er konnte sich auf seine beiden Hauptdarsteller verlassen, die beide mit starken Leistungen aufwarteten. Ansonsten wirkt das Ganze reichlich abgegriffen. Die Kritiken für die Warner Brothers-Produktion waren jedenfalls nur gemischt, und der Streifen floppte 2006 mit weltweit gerade mal 65 Millionen Dollar ganz bitterlich.

Kritiker Ross Anthony schrieb für "Hollywood Report Card": "Im Kern ist das eigentlich ein exzellenter Film. Aber weil die Filmemacher die große Action ständig glauben steigern zu müssen, leidet die Glaubwürdigkeit erheblich."



"Tatis herrliche Zeiten", Arte, 00:35 Uhr
Monsieur Hulot (Jacques Tati) wandert durch ein High-Tech Paris, ebenso wie eine Gruppe amerikanischer Urlauber. Währenddessen bereitet sich ein Restaurant auf seine Eröffnung vor, obwohl es noch immer eine Baustelle ist.

1958 hatte der französische Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller Jacques Tati in "Mon Oncle", der den "Oscar" als "Bester nicht englischsprachiger Film" gewann, bereits das Thema Moderne versus Altstadtviertel komödiantisch aufgegriffen und dabei seine fünf Jahre zuvor erstmals auf der Leinwand erschienene Figur des liebenswert-verschrobenen Monsieur Hulot wieder dargestellt. Der große Erfolg von "Mon Oncle" gab Tati die Möglichkeit, nun ein wesentlich größeres, ehrgeiziges Projekt anzugehen - das ihn finanziell ruinieren sollte.

Der Regisseur wollte mit "Playtime" (so der Originaltitel) erneut die Moderne satirisch aufs Korn nehmen - diesmal gar in einer ganzen Stadt und nicht nur wie in "Mon Oncle" am Beispiel eines Hauses. Dazu ließ er enorme Kulissen bauen, die in der Branche bald als "Tativille" bekannt wurden. Hundert Bühnenarbeiter errichteten die Stadtkulissen, die sogar über eine eigene Stromversorgung verfügten. Die Kosten gerieten dabei - auch durch die Zerstörung des Drehorts durch einen Sturm - außer Kontrolle. Tati sammelte Geld ein, wo er nur konnte und verschuldete sich. Das Budget soll schlussendlich schwindelerregende 17 Millionen Francs betragen haben, und die Dreharbeiten zogen sich über drei Jahre hin. Allein der Schnitt nahm neun Monate in Anspruch.

Jacques entschied sich für eine nur lose Handlung, in der Monsieur Hulot lediglich eine Figur von mehreren ist. Dialoge gibt es nicht; die Stimmen sind nur ein Hintergrundgeräusch von vielen. Die Geschichte entfaltet sich statt dessen durch Mimik, Pantomine, Bewegung, Farben und Töne und karikiert die Unpersönlichkeit, Konformität und Sterilität der Räume aus Glas und Stahl. Die vorwiegenden Farben sind Grau, Blau, Schwarz und Weiß. Da die Vignetten so entscheidend durch die Bilder und den Ton ihre Wirkung entfalten sollten, hatte sich der Filmemacher entschieden, auf hochauflösendem 70mm-Film und in Stereo zu drehen, was damals noch eine komplizierte Angelegenheit war.

All die Mühen zahlten sich aus. Einerseits. Die Kritiker waren begeistert, und viele sahen in "Playtime", als er 1967 endlich in den Kinos anlief, Tati's Meisterwerk. Der Künstler hatte ein von melancholischer Herzlichkeit geprägtes Welttheater geschaffen, in dem sich die Abläufe wie in einem Guckkasten betrachten lassen, ein filmisches Ballett mit unzähligen visuellen Gags, die sich zeitweise gleichzeitig in verschiedenen Bereichen des Breitbilds abspielen. Das Tempo ist gering, aber der Spaß unterhält stets intelligent und feiert und karikiert die Urbanisation des modernen Lebens gleichzeitig - am besten zu beobachten im Schlussbild, in dem der endlose Verkehrsstau im Kreisverkehr wirkt wie ein riesiges buntes Karussell. Eine außerordentliche künstlerische Leistung. Tati's Kollege Francois Truffaut schwärmte: "Der Film ist mit nichts zu vergleichen, was bereits im Kino zu sehen war. Ein Film von einem anderen Planeten, wo man andere Filme dreht."

Aber andererseits waren viele Zuschauer enttäuscht über die geringe Rolle von Monsieur Hulot, die fehlende Handlung und das betuliche Tempo. Auch braucht es eigentlich mehrere Runden, um alles, was auf der Leinwand vor sich geht, zu erspähen und wertzuschätzen. Doch von Wiederholungssehern war "Playtime" weit entfernt und wurde ein grandioser Flop, was dazu führte, dass der Filmemacher sein Haus verkaufen, seine Produktionsfirma schließen, die Rechte an seinen Filmen für nur 120 000 Francs versteigern und in Werbefilmen für die britische Lloyds Bank auftreten musste.

Ein schwedischer Zuschauer schreibt: "Als ich den Film das zweite Mal gesehen habe, fand ich ihn großartig - aber konnte er nicht ein bisschen lustiger sein? Beim dritten Mal habe ich es dann begriffen: Das ist Kunst! Egal wie oft man den Streifen sieht, man findet immer wieder neue Dinge."



"Final Destination 2", Pro7, 01:00 Uhr
Als Kimberly (A.J. Cook) die Vorsehung einer furchtbaren Massenkarambolage hat, blockiert sie die Autobahn und rettet damit diejenigen, die dort eigentlich hätten sterben sollen. Aber dann sterben die Überlebenden einer nach dem Anderen durch mysteriöse "Unfälle", und es ist an Kimberly, dies zu beenden, bevor sie selbst die Nächste ist.

Nach dem Überraschungserfolg von "Final Destination" im Jahr 2000 gaben New Line Cinema eine Fortsetzung in Auftrag. Dummerweise stand Regisseur und Drehbuchautor James Wong nicht zur Verfügung, weil er bereits den Jet Li-Streifen "The One" drehte. Also engagierte man den Stuntman David R. Ellis als Regisseur und das Drehbuch-Team J. Mackye Gruber und Eric Bress ("The Butterfly Effect"). Das weitgehend neue Produktionsteam drehte an altbekannter Stätte in und um das kanadische Vancouver.

Der Horrorfilm ist nicht viel mehr als ein Aufhänger, um ausgeklügelte, blutige Szenen aneinander zu reihen, in denen die Charaktere auf mehr oder minder originelle Weise ins Jenseits befördert werden. Immerhin ist der leidlich unterhaltsame Film dabei auch humorvoll.

An den Kinokassen wurde die 26 Millionen Dollar teure, mit gemischten Kritiken bedachte Produktion 2003 mit weltweit 90 Millionen Dollar ein lediglich mäßiger Erfolg und blieb deutlich hinter dem Einspiel des Originals zurück. Nichtsdestotrotz reichte dieses Ergebnis, um wiederum drei Jahre später einen dritten Teil in die Lichtspielhäuser zu schicken. Dazu holte man Originalregisseur Wong zurück.

Ein US-Zuschauer meint: "Dieser Film will nicht 'A Beautiful Mind' sein, sondern Popcorn-Kino - ein toller, blutiger Spaß mit der wirklich erstaunlichen Autounfallszene gleich zu Beginn."



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