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Ist doch nur ein Film

Historiker kritisiert Stalingrad-Epos

Mit umgerechnet 175 Millionen Mark ist "Enemy at the Gates" der teuerste je in Europa gedrehte Film aller Zeiten - aber laut eines Historikers nicht unbedingt der Realität sehr nahekommendDie Kontroversen darüber, wie viel Freiheit sich die Filmemacher mit der Wahrheit nehmen dürfen, reißen nicht ab - nach unter anderem "U-571", "Der Patriot" und dem Miramax-Projekt "The Colditz Story" ist jetzt das Paramount-Epos "Enemy at the Gates", das zu Weihnachten in den amerikanischen Kinos starten wird, in die Kritik geraten.

In eine milde Kritik zwar, aber eine grundsätzliche, denn der Historiker Anthony Beevor, Autor des Bestsellers "Stalingrad", bemängelt, daß die Grundlage des Abenteuerfilms mit der Realität nichts gemein habe. Jean-Jacques Annauds Streifen erzählt die Geschichte des russischen Scharfschützen Wassili Zaitschow, der von Jude Law ("Der talentierte Mr Ripley") dargestellt wird. Dieser erschießt während der Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg zur Jahreswende 1942/43 so viele deutsche Soldaten - Quellen sprechen von um die 200 - daß extra der SS-Major König auf ihn angesetzt wird, den Ed Harris ("Seite an Seite") mimt. Die beiden liefern sich mitten in der Schlacht ein gnadenloses Duell Mann gegen Mann.

Die Figur des russischen Superschützen Zaitschow basiert auf den Erinnerungen des Generals Chuikow, laut Beevor "alles Propaganda und Erfindung. Ich bin sicher, daß es kein Duell gab, niemand hat irgendetwas über Major König gefunden und ob es ihn überhaupt gab. Es mag Zweikämpfe zwischen Scharfschützen gegeben haben, aber kein solch romantisiertes Duell.".

Ansonsten lobt der Historiker, der die Dreharbeiten in den Babelsberger Filmstudios in Potsdam besucht hatte, Annauds ("Sieben Jahre in Tibet") Kriegsfilm allerdings: "Ich möchte betonen, daß meine Einwände nichts daran ändern, daß es sich um einen guten fiktionalen Film handeln mag und daß er einen starken Eindruck hinterläßt, was es bedeutete, wirklich dabeigewesen zu sein. Von dem, was ich gesehen habe, ist der Film sorgfältig vorbereitet worden. Die militärische Ausrüstung ist korrekt."

Beevor hofft, daß "Enemy at the Gates" auch bei amerikanischen und britischen Zuschauern das Verständnis des Zweiten Weltkriegs über die Landung in der Normandie und den Krieg im Pazifik hinaus erweitert: "Ich denke, wir werden größere Reaktionen auf und Interesse an der Ostfront erleben, wo die Schlachten geschlagen wurden, die den Krieg buchstäblich entschieden. In Amerika und im Vereinigten Königreich herrscht riesige Unkenntnis über diesen gesamten Kriegsaspekt."
17.10.2000 von Ralf Schmitt


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Jean-Jacques Annaud bei der Arbeit an Enemy at the Gates
Jean-Jacques Annaud bei der Arbeit an "Enemy at the Gates"
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