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Kritik: Illuminata (1998)


Mit seiner zweiten Regiearbeit wird es John Turturro, der Lieblingsdarsteller der Coen-Brüder, vermutlich noch schwerer haben als mit "Mac", seinem Debüt hinter der Kamera. Nach dem Ausflug in proletarische Gefilde, geht es diesmal streng bildungsbürgerlich zu: das Theater als mehr oder weniger (eher weniger) sittliche Anstalt ist hier Thema und Schauplatz. Nicht das gegenwärtige, sondern das der Jahrhundertwende in New York. Wie in Europa haben sich auch die Bühnen in der neuen Welt in jenen Jahren neuen Zielen geöffnet. Ibsen ist hier wie dort einer der angesagten Namen.

Auf der Bühne des New Yorker Astergourd-Theaters proben jedoch der Autor Tuccio und Rachel, der gefeierte Star des Ensembles, erste Dialoge aus Tuccios neuem und noch unvollendetem Werk "Illuminata". Es geht hierbei um Liebe und Verlust, um verflogene Leidenschaft und die Unfähigkeit einander zu verlassen, da der Funke der Liebe noch nicht vollständig erloschen ist.
Es ist offensichtlich, dass hier weniger Bühnenfiktion, sondern vielmehr die Aufarbeitung der maroden Beziehung zwischen Tuccio und Rachel den Text bestimmt, denn seit Jahren sind die beiden exzentrischen Künstler über ihre Arbeit auch privat miteinander verbunden.
Die Inhaber des Theaters weigern sich freilich, die Arbeit an dem Stück, geschweige denn dessen Aufführung, weiter zu fördern. Hinter den Kulissen gallopieren die Intrigen, wobei eine besonders unrühmlich Rolle dem eitlen Kritiker Bevalaqua zufällt. Doch auch Celimane, die alternde Diva des Ensembles mischt kräftig mit, wittert sie doch an der Seite von Tuccio nicht nur wärmende Zuneigung, sondern vielleicht gar die Chance zu spätem internationalen Ruhm. Bei all dem Durcheinander gelingt es Tuccio immerhin, das ansonsten sich argwöhnisch beäugende Ensemble hinter sich und gegen die Theaterleitung zu bringen. Und plötzlich scheinen die Alternativen "Illuminata" oder "Nora" gar nicht mehr so unvereinbar.

Filme die im Theater spielen bzw. das Drum und Dran des vermeintlich turbulenten Theaterlebens beleuchten, sind ja fast schon so etwas wie ein Subgenre. Allerdings halten sich die Variationen dessen doch in überschaubaren Grenzen. Irgendwie scheint es bei diesen Theaterfilmen doch stets darum zu gehen, die gängigen Vorurteile um das wilde Treiben hinter den Kulissen zu bestätigen. Siehe hierzu zuletzt Woody Allens ungleich bissigeren und unterhaltsameren Versuch "Bullets over Broadway". John Turturros Film kommt leider etwas schwer in Gang und bleibt eigentlich durchgängig ziemlich unübersichtlich. Natürlich sind auch hier einzelne Nummern bzw. Auftritte absolut köstlich. Susan Sarandon als schrille Diva samt entsprechender Allüren ist wunderbar, und auch Christopher Walken als schwuler Kritiker und Kulturpessimist ist als Figur prächtig getroffen. Aber im Ganzen tut sich der Film doch schwer, Neuland zu betreten. Das Ineinanderfließen von Probe, Aufführung und realem Leben und die daraus sich ergebenden Gags kommen mittlerweile doch ein bisschen altbacken daher. Und somit ist letztlich der bleibende Eindruck des Films, dass man das alles schon mal, und zwar durchaus besser, gesehen hat.





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