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Kritik: Payback - Zahltag (1999)


Nach langer Wartezeit kommt das ursprünglich schon 1997 entstandene Regiedebüt des oscarprämierten Drehbuchautors Brian Helgeland ("L.A. Confidential") nun endlich in die Kinos. Der von den Produzenten mit substantiellen Nachdrehs nachträglich veränderte Film basiert auf Richards Stark Roman "The Hunter" und ist somit auch ein Remake von John Boormans 1967 gedrehtem Kinoklassiker "Point Blank". Mel Gibson tritt dabei in die Fußstapfen von Lee Marvin und brilliert als kompromißloser Einzelgänger, der bei der Wiederbeschaffung seines Beuteanteils – tatsächlich geht es dabei um nur 70 000 Dollar – ein ganzes Verbrechersyndikat zerschlägt.

Nachdem Helgelands ursprüngliche Fassung den Machern zu düster erschien und sich das Testpublikum vor allem nicht mit einem toten Mel Gibson am Ende des Films abfinden wollte, verpaßten die Produzenten dem Streifen kurzerhand ein neues (glückliches) Ende und drehten viele Szenen in einer Weise neu, die den Zuschauern nun deutlicher signalisiert, wann sie lachen dürfen und wann sie es besser bleiben lassen.

Das alles klingt nach übler Panscherei und läßt das Schlimmste befürchten – erstaunlicherweise aber ist aus "Payback" trotz seiner unglücklichen Entstehungsgeschichte ein ungewöhnlich konsequenter, stilsicherer und düsterer Action-Krimi gewordern: ein kraftvoller, in kalten Blautönen gehaltener Film Noir des ausgehenden Jahrtausends, dessen holzschnittartige Figuren in einer undefinierbaren Stadt zu einer undefinierbaren Zeit agieren.

In der Tradition von "Pulp Fiction" und des in Hollywood immer mehr an Einfluß gewinnenden Hongkong-Kinos stehen dabei die lakonischen, mit tiefschwarzem Humor versetzten und mitunter recht brutalen Gewaltsequenzen des Films – sensible Kinogänger seien vor einer besonders heimtückischen Folterszene gewarnt, in deren Verlauf der Protagonist diverse Zehen verliert. Letztlich aber überzeugt "Payback" als origineller und stilsicher inszenierter Reißer mit spielfreudigen Darstellern, der zwar keine große Kunst, dafür aber 100 spannende Kinominuten garantiert und sich vor seinem über 30 Jahre alten Vorbild nicht zu verstecken braucht.





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