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Kritik: 8 MM (1999)


Die Batman-Reihe hat er bereits ruiniert, nun versetzt Regisseur Joel Schumacher einem anderen Genre den cineastischen Todesstoß: "8mm" ist ein altbackenes Konglomerat abgenutzter Krimiklischees, das sich sich hinter einem pseudomoralisierenden Plot und einem grandios fehlbesetzten Nicolas Cage versteckt, dessen darstellerisches Repertoire sich hier auf die Replikation des Schlafzimmerblicks aus "Stadt der Engel" beschränkt.

Schumachers Vorstellung von Thrill und Spannung erschöpft sich darin, den Zuschauer mit einem unmotivierten Soundtrack aus arabischen Folkloreklängen in den Wahnsinn zu treiben. Dabei ist der scheinheilige Abstieg ins Reich der Perversionen nur eine faschistoide Rechtfertigung von Selbstjustiz: Widersinnig und anmaßend, aalglatt und vorhersehbar begleitet der Film den Privatdetektiv Tom Welles bei seinen Streifzügen durch die ach so widerwärtige Welt der Hardcore-Pornoszene und sorgt dafür, daß auch der naivste Zuschauer die üblen Bösewichte auf den ersten Blick als solche erkennt und verabscheut, schließlich muß Welles die ganze Baggage zum Schluß ja wie Tiere zur Strecke bringen.

Das erlösende Ende aber läßt auf sich warten: Der unlogische Plot hat Löcher wie ein Schweizer Käse und mündet schließlich in einen endlos langen Showdown, in dessen Verlauf der mental sedierte Held mit Mühe das vollbringt, was ein Arnold Schwarzenegger im Handumdrehen erledigt hätte. Dabei ist das moralisierende Beiwerk des Films nur ein lächerlicher Vorwand dafür, sich von einer weltfremden Gewaltszene zur nächsten zu bewegen – von Gesellschaftskritik keine Spur.

Vielleicht wäre einem ja Kevin Walkers ursprüngliches Skript unter die Haut gegangen – inzwischen aber hat sich auch der gefeierte Drehbuchautor ("Seven") öffentlich von Schumachers filmischer Umarbeitung distanziert. Abgründige Lichtblicke wie Amy Morton als untröstliche Mutter des ermorderten Opfers lassen immerhin durchscheinen, daß "8mm" ein weitaus besserer Film hätte werden können. So aber bleibt nur ein großer, armseliger Scherbenhaufen.





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