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Little Voice - Die Stimme ihres Lebens
Little Voice - Die Stimme ihres Lebens

Kritik: Little Voice - Die Stimme ihres Lebens (1998)


Wie inszeniert man eine gelungene Tragikomödie, ohne ins Melodrama abzugleiten oder das Publikum zu manipulieren? Der britische Regisseur Mark Herman ("Brassed Off") macht es vor: Seine Leinwandadaption von Jim Cartwrights Bühnenstück "The Rise and Fall of Little Voice" verbindet Musik und Dramatik, Tragik und Humor, Triumph und Katharsis zu einem runden Ganzen, das man einfach lieben muß: "Little Voice" ist British Cinema at its best, und dieser Ansicht war offenbar auch das Publikum der letzten Berlinale, das den Film und seine für den Oscar nominierte Hauptakteurin Brenda Blethyn mit stehenden Ovationen feierte.
Das liegt natürlich auch an Hermans Drehbuch, das die facettenreichen Charaktere dieses Films und ihre Beziehungen zueinander erst ermöglicht und auch die kleineren Nebenrollen nicht vernachlässigt – etwa wenn sich Ewan McGregor ("Star Wars: Die dunkle Bedrohung") als schüchterner Taubenzüchter in die scheue "Little Voice" verliebt. Der Film ist prall gefüllt mit darstellerischen Glanzleistungen, die beeindruckendste Vorstellung aber gibt Brenda Blethyn als Lauras überdrehte Mutter Mari. Diese ist wahrhaft keine liebe Frau, sondern vielmehr eitel, selbstsüchtig und oberflächlich, doch Blethyn spielt sie mit so viel Menschlichkeit, daß wir sie am Ende nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Schwächen lieben.
Jane Horrocks alias "Little Voice" ist Maris präzises Gegenteil: ein scheues, unschuldiges Mauerblümchen, das erst im Rampenlicht erblüht. Wenn Horrocks, die alle Stücke selber singt, auf der Bühne und im Film zu Judy Garland, Shirley Bassey oder Marilyn Monroe wird, laufen einem unwillkürlich Schauer über den Rücken. Aber auch Michael Caine zeigt sich in Hochform und gewann mit seinem Porträt des abgetakelten Talentsuchers Ray Say einen Golden Globe.
Von Kitsch und platten Klischees weit entfernt, ist "Little Voice" dennoch ein Film, mit dem man lachen, weinen und sich freuen kann – ein Glücksfall auch fürs deutsche Kinopublikum, zumal sich der Verleih entschlossen hat, ihn hierzulande auch in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln anzubieten. Die ist in diesem Fall nämlich absolute Pflicht.




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