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Kritik: Mickey Blue Eyes (1999)


Hugh Grant ist ein Filmstar mit zwei gewichtigen, aber in dem Beruf durchaus nicht unüblichen Handicaps. Zum einen hält sich sein schauspielerisches Talent in überschaubaren Grenzen. Zum zweiten kann er die für einen Star unabdingbare Leinwandpräsenz nur entfalten, wenn er seinem eng gefassten Rollentypus gemäß besetzt ist, also schüchterner Liebhaber, möglichst very british. Verlangt eine Rolle, dieses Charakterschema zu variieren und darüber hinaus darstellerisches Charisma zu bündeln, ist er hoffnungslos überfordert. Bestes oder eher tristes Anschauungsmaterial hierfür liefert die bemühte Mafiakomödie "Mickey Blue Eyes". Im Gegensatz zu "Notting Hill", wo er als Typ prächtig funktionierte, scheitert Grant spätestens in der Mitte des neuen Films, als es darum geht, sich vom englischen Auktionator zumindest vom Gestus her in einen Mafiosi zu verwandeln. Dies ist nämlich die für sich gesehen famose Grundidee einer Geschichte, die folgendermaßen geht:
Michael Felgate ist britischer Auktionator in New York. Als er eines Tages seiner Freundin Gina einen Heiratsantrag macht, wundert er sich über die Zögerlichkeit ihrer Antwort. Sie liegt darin begründet, dass Gina der Spross einer alteingesessenen New Yorker Mafia-Familie ist. Schließlich siegt die Liebe, Michael muss jedoch versprechen, sich nicht in die rabenschwarzen Machenschaften ihres Vaters und dessen Anhang involvieren zu lassen. Michael, eine grundehrliche Haut (soweit sich das von einem Auktionator sagen lässt), verspricht keinen Meter von Pfad der Tugend abzuweichen. Doch ehe er sich so recht versieht, wird ihm die ein oder andere "Gefälligkeit" ungefragt aufgezwungen. Und dann betreten eines Tages dubiose Gestalten das seriöse Auktionshaus und bitten, Bilder von geradezu aggressiver Hässlichkeit zu völlig überhöhten Ausgangsgeboten in Versteigerungen zu übernehmen. Michael hält dies zunächst für einen Scherz, staunt dann aber nicht schlecht, als die Machwerke tatsächlich astronomische Summen erbringen. Dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, dämmert ihm aber erst, als das FBI auf der Matte steht und ihm Geldwäscherei für die Mafia anhängen will. Das vormals solide Leben des braven Auktionators droht vollends aus den Fugen zu geraten, als Gina von seinen unfreiwilligen Mafiaverbindungen hört. Damit aber noch lange nicht genug: Binnen kurzen hat Michael Felgabe gar eine Leiche am Hals, und in der Folge ist ihm die halbe New Yorker Unterwelt auf den Fersen. Doch ausgerechnet in Person seines Mafia-Schwiegervaters winkt ein Ausweg aus dem Schlamassel. Dazu muss jedoch der Engländer die Gangsteranteile an und in sich entdecken und herauskitzeln.

Grundidee und Storyline des Films sind in der Tat wie erwähnt höchst vielversprechend. Um so enttäuschender ist hingegen das Resultat. Nicht nur das Hugh Grant seiner Rolle nicht gewachsen ist. Der Film hat unübersehbare Längen und macht aus der Konfrontation seiner gegensätzlichen Welten - immerhin ein klassischer Komödienstoff - viel zu wenig. Auch ist die Inszenierung teilweise arg behäbig, was kurioserweise durchaus damit zusammenhängen kann, dass für den Film ein zu hohes Budget veranschlagt war. Anstatt der ständigen ausufernden Kamerafahrten, die meist in keinerlei Kontext zur jeweiligen Szene stehen, hätten "Mickey Blue Eyes" schnelle Schnitte samt Tempo wesentlich besser zu Gesicht gestanden. Für eine Komödie geradezu fatal ist jedoch die unsichere Handhabung der Gags: Mal wird überzeichnet (und mit Klamauk kann Grant nun gar nicht umgehen), dann wieder unnötig gebremst. Der Film kommt somit ständig aus dem Rhythmus bzw. findet nie zu einem eigenständigen. Schade bei dem Thema. Aber wie eine spritzige Mafia-Komödie funktionieren kann und auszusehen hat, haben wir ja kürzlich in "Reine Nervensache" gesehen.

--Klassentreffen der Hollywood-Mafiosos--

Vor gut einem halben Jahr kam mit "Reine Nervensache" eine äußerst unterhaltsame Komödie um einen neurotischen Mafioso in die Kinos. Der mit Robert DeNiro (als Pate-Veteran) und Billy Crystal wunderbar besetzte und von Harold Ramis sicher inszenierte Film war von der ersten bis zur letzten Sekunde witzig und ließ keine Wünsche offen.

Eben aus diesem Grund ist der Start von "Mickey Blue Eyes" sehr gewagt, um ehrlich zu sein, sogar sehr unglücklich. Zwar steckt sich Kelly Makins Film ein vollkommen anderes Ziel, er trifft als Komödie aber doch eine ähnliche Zielgruppe, die durch "Reine Nervensache" thematisch gut gesättigt sein dürfte.

"Mickey Blue Eyes" ist eine Mischung aus Komödie und (ein wenig) Romanze. Der schöne Brite Michael Felgate arbeitet in einem angesehen New Yorker Kunstauktionshaus. Mit Gina hat er auch eine schöne Freundin, die er aufrichtig liebt. Aus diesem Grunde macht er ihr auch einen Heiratsantrag. Leider sagt seine Angebetene aber entschieden "Nein". Vollkommen verständnislos sucht er sie bei ihrer Familie. Ihr Vater Frank Vitale ist von seinen Plänen hocherfreut. Leider merkt Michael erst recht spät, dass er somit in eine Mafia-Familie einheiratet. Genau das wollte Gina aber verhindern, denn die arbeitswütigen Bösewichter spannen den orientierungslosen Bräutigam gleich in ihre Geschäfte ein.

Der Plot ist so anspruchslos wie unwichtig. Eigentlich dient er nur als Konstrukt, um Hugh Grant von einer komischen Situation in die nächste zu locken. Was mit einem (köstlich) verkorksten Heiratsantrag beginnt, schließt mit der Beseitigung einer Leiche. Erfreulich ist, dass der Film sich eher als Parodie, denn als ernste Liebesgeschichte sieht. Die Szenen mit der Freundin führen meist zum Chaos, sie stehen auch eher im Hintergrund. Die Hauptfiguren sind klar der wie immer schusselig überforderte Hugh Grant und der herrlich schmierige James Caan. Beiden wirkt ihre Rolle aber nicht ganz angemessen. Während Caan manchmal zu sehr an der Leine gelassen wird, scheint Hugh Grant eben nur Hugh Grant zu sein. Er schafft es nicht immer, seine Figur auch vollkommen auszufüllen.

Am problematischsten ist aber die Regie. In keinem Moment kommt Kelly Makin darüber hinaus, seinen Film als Ganzes zu straffen. Er belässt ihn als lose Sammlung von Episoden, womit man als Zuschauer keinen Moment wirklich involviert scheint. In dieser Hinsicht hatte "Reine Nervensache" seine größte Stärke. In Sachen Timing ist Makin aber gut genug, um die Witze, die er zu bieten hat, auch ordentlich zu präsentieren. Vor allem die Szene, als Hugh Grant von James Caan nicht amerikanischen, sondern auch italienschen Akzent beigebracht bekommt, ist urkomisch. Leider ist es auch die Szene, die am wenigsten in die deutsche Fassung herübergerettet werden kann.

Als Film mit hoher Gagrate, wobei die meisten auch funtkionieren, ist "Mickey Blue Eyes" auch wirklich zu genießen. Er bietet für seine Laufzeit recht nette Unterhaltung, was ihn zu einem interessanten Kinoabend macht. Da er sich eher auf eine Romanze als Grundstory beruft, bietet er auch ein anderes Rahmenprogramm als sein direkter Konkurrent. Mit diesem hat er vor allem die Mafia-Schauspieler gemein, die hier wieder ein Stelldichein geben. Vor allem bei Joseph Viterelli fällt es auf, dass er in beiden Werken eine tragende Nebenrolle einnimmt. Die schönste Darstellung bietet unter ihnen aber der schrullige Pate, der von Burt Young (Paulie aus "Rocky") verkörpert wird.

Es liegt an der Funktion der meisten Situationen und der recht gut konstruierten Einbindung Michaels in das tägliche Untergrundgeschäft, dass man das zu weit in die Länge gezogene und zu vorhersehbare Finale dann doch verzeiht. Einen guten Film darf man nicht erwarten, dafür aber ein paar wirklich gute Gags.





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