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Kritik: Fandango - Members Only (2000)


Obwohl "Fandango" wenigstens wie ein Kinofilm aussieht, so bringt er doch all das zu Tage, was einen schwachen, typisch deutschen Film der letzten Jahre ausmacht. Kryptische Dialoge zwischen Pseudo-Intelligenz und Lächerlichkeit und eine nett anzusehende, aber dennoch klischeebeladene Kameraarbeit erzeugen einen Film, der nur als Tortur bezeichnet werden kann. Die schöne Shirley Maus (Nicolette Krebitz) ist das Anhängsel des Berliner Nachtclubbesitzers und Ganoven Lupo (Richy Müller). Der versorgt sie mit Geld und Drogen, damit sie ihren Träumen vom Modeldasein nicht allzu hart hinterherhängt. Sie stiehlt ihm eines Tages sein Auto, um mit dem vom Nachtleben müden DJ Sunny (Moritz Bleibtreu) das Weite zu suchen. Schlimm nur, dass ein Koffer voller Drogen im Inneren des Kofferraums ruht, den Lupo noch der rabiaten Unterweltherrin Duke (Corinna Harfouch) schuldet. Diese fordert ihren Besitz und den Kopf des Diebes. Zu dumm, dass DJ Sunny, als er den Koffer entdeckt, in eine schwere Entscheidung gestürzt wird. Soll er seinen in ziemliche Schwierigkeiten verwickelten Freund Akira (III-Young Kim) freikaufen, oder den Koffer so schnell wie möglich wieder an Lupo übergeben, um selbst seinen Frieden zu erlangen... Ich bin sprachlos. Da bekommt der an sich nie sehr negativ aufgefallene Regisseur Matthias Glasner genug Geld, um einen visuell aufregenden und mitreißenden Film ganz im Zeitgeist zu inszenieren, und vergurkt es mit einem solchen Paukenschlag ins Nichtige, dass mir nur noch Rainer Kaufmann und sein berüchtigter letztjähriger "Long Hello and Short Goodbye" im Gedächtnis bleibt. Wenn in Deutschland neben so viel enttäuschenden Mittelmaß etwas in die Hose geht, dann aber richtig. Fangen wir bei dem Herz eines jeden Kinofilms an: Bei den formalen Aspekten. "Fandango" wartet in Sachen Bild mit wirklich sichtlich teurer Kameraarbeit auf, die ganz nach Kino aussieht. Nur wie setzt er es zusammen? Als eine missglückte Mischung aus "Pulp Fiction" und Neo (Tech) Noir, mit einem ganzen Kübel Japano-Referenzen darüber, die dazu noch alle Schwächen aus MTV zu übernehmen scheint, ergibt die Struktur von "Fandango" keinen größeren Sinn. Sie ist so planlos zusammengewürfelt, dass zwangsläufig all die Stärken, die die Vorlagen ohne Zweifel haben, verloren gehen. In keinem Moment werden die an sich geschmackvollen, aber unendlich langweiligen Bilder der sehr guten und damit extrem herausstechenden Musik von Fetisch/Meister gerecht. An diesem ganzen Verlust ist wohl auch das durchweg verkorkste Drehbuch schuld. Auf Storyebene mag ja alles noch recht gut aussehen, aber spätestens, wenn die selbstreferenziellen, vor allem von Nicolette Krebitz fast schon trashig vorgetragenen Dialoge Gewicht bekommen, verliert sich alles im Nichts. Sie sind irgendwo zwischen pseudo-philosophischem Drogen-Gefasel und seuselnder Intellekto-Peinlickeit voll kryptischem Symbolgetue einzuordnen. Wenn der Film schon so grottenlangweilig war, wenigstens hier konnte ich ein paar Mal herzlich lachen. Was "Fandango" so ärgerlich macht, ist weniger sein Scheitern selbst, als dass man jede Sekunde merkt, wie viel Talent hier verschleudert wurde. Ob die unterforderten Schauspieler Corinna Harfourch und Moritz Bleibtreu oder die aufsehenerregende Musik, man sieht überall Potential, gerade auch bei der technisch perfekten Kameraarbeit. Aus einem Grund ist dies alles untergegangen, den hier Deutschland kaum jemand zu verstehen scheint: Ein großartiger Film funktioniert, weil alles Hand in Hand geht, weil die Funktion über dem einzelnen künstlerischen Aspekt steht. Versucht man, auf jeder Ebene (Story, Bild, Ton...) einen qualitativen Vulkanausbruch zu starten, dann rennt alles für sich ins Leere. "Fandango" zeichnet genau dieses Problem aus. Er ist einfach viel zu kopflastig, auf jeder einzelnen Ebene, um auch nur ansatzweise überzeugen zu können.





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