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Herr Zwilling und Frau Zuckermann (1999)

Dokumentarfilm über zwei betagte jüdische Bürger der ukrainischen Stadt Czernowitz.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Jeden Abend besucht der 70-jährige Herr Zwilling seine Bekannte, die 90-jährige Frau Zuckermann. Sie zählen zu den letzten noch im alten Czernowitz der Vorkriegszeit geborenen Juden. Die beiden Freunde sehen am Abend zusammen fern, essen, unterhalten sich über die Neuigkeiten, die in der jüdischen Zeitung "Die Stimme" stehen, über die aktuelle politische Lage. Herr Zwilling neigt stets zum Pessimismus, wie er humorvoll zugibt, während Frau Zuckermann es als ihre Aufgabe betrachtet, ihren Bekannten immer wieder an ihrem Optimismus teilhaben zu lassen.

Frau Zuckermann gibt immer noch Nachhilfestunden für Schüler und Schülerinnen. Sie wäre längst nach Israel ausgewandert, aber ihr Sohn will in Czernowitz bleiben und so bleibt sie auch. Die wirtschaftliche Lage ist prekär, die Renten kommen mit Verspätung, viele jüngere Leute ziehen fort.

Herr Zwilling und Frau Zuckermann erzählen aus ihrem Leben und vom Holocaust. Frau Zuckermann wurde 1941 mit ihrer Familie in ein Lager in Transnistrien deportiert, sie überlebte als einzige. Herr Zwilling hatte ein von rumänischer Seite ausgestelltes Bleiberecht in der Stadt. Im Juni 1944 sollten er und seine Mutter die mühsam von seinem Onkel vermittelte Ausreise nach Palästina antreten, doch die sowjetische Besetzung der Stadt machte den Plan zunichte.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Aus Anlass des 75. Geburtstags des Filmemachers Volker Koepp bekommt sein Dokumentarfilm "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" 2019 eine Wiederaufführung im Kino. Der Film aus dem Jahr 1999 wird in einer restaurierten Fassung gezeigt. Auch nach 20 Jahren hat dieses Porträt zweier betagter jüdischer Einwohner von Czernowitz, die mittlerweile verstorben sind, nicht an Aussagekraft verloren. Die wechselhafte Geschichte der Stadt in der Bukowina, die im 20. Jahrhundert zu Österreich-Ungarn, zu Rumänien, der Sowjetunion gehörte und seit 1991 zur Ukraine, spiegelt sich in ihrem Leben und ihrem Selbstverständnis. Als Überlebende des Holocaust, der die große jüdische Gemeinde der Stadt dezimierte, wirken die beiden alten Menschen wie Gestrandete in einer Welt, die ihres Glanzes beraubt wurde. Sie geben Zeugnis ab vom einstigen Leben der Stadt und kommentieren auch aufmerksam die neuen politischen und gesellschaftlichen Strömungen.

Der deutsche Filmemacher Volker Koepp hat sich schon oft mit osteuropäischen Gegenden ("In Sarmatien", "Memelland") befasst, die die Heimat von Menschen verschiedener Sprachen und Kulturen sind. Über diese Gegenden fegte die Geschichte mit rücksichtslosem bis verheerendem Furor hinweg. Die Menschen, die sie überlebten, die blieben, wiederkehrten oder neu hinzuzogen, haben sich mit dem häufigen Wandel der politischen Macht arrangiert. Volker Koepp spürt individuell erlebte Geschichte auf, die sich so in historischen Büchern kaum finden lässt. Wie hat es sich angefühlt, in einer bestimmten Ära zu leben, aus welchen Erfahrungen und Prägungen speist sich das Selbstverständnis von Menschen, die viel verloren haben, aber nicht ihren Lebensmut?

Dieser Film setzt der jüdischen Geschichte und Kultur von Czernowitz ein lebendiges Denkmal. Mit Herrn Zwilling besucht er das traditionsreiche Jüdische Haus und den Friedhof, außerdem wird in einer jüdischen Schule, der Synagoge, auf religiösen Festen gedreht. Frau Zuckermann bezeichnet Herrn Zwilling als "meinen Ritter mit dem traurigen Angesicht". Nicht nur ihre Herkunft und das erlittene Schicksal verbinden diese beiden Freunde, sondern auch ihr Humor. Koepp und sein Kameramann Thomas Plenert lassen sich ein auf Situationen, die ihren Reiz und ihre Originalität wie von selbst entfalten.

Fazit: In seinem Dokumentarfilm aus dem Jahr 1999, der in einer restaurierten Fassung 20 Jahre später nun wieder ins Kino kommt, porträtiert Volker Koepp zwei betagte jüdische Einwohner der Stadt Czernowitz. Sie haben dort in der Bukowina unter österreichischer, rumänischer, sowjetischer Regierung gelebt und den Holocaust überlebt. Nun befinden sie sich in der Ukraine. Ihre Erzählungen pendeln zwischen früher und heute und legen Zeugnis ab von den starken Wurzeln jüdischer Kultur in der Stadt. Die scheinbar beiläufige Art der filmischen Beobachtung lässt eine aussagekräftige Atmosphäre entstehen, die stark vom Lebensgefühl dieser Menschen und an diesem Ort geprägt ist.




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Land: Deutschland
Jahr: 1999
Genre: Dokumentation
Länge: 126 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 30.05.2019
Regie: Volker Koepp
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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