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Herr Zwilling und Frau Zuckermann
Herr Zwilling und Frau Zuckermann
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Herr Zwilling und Frau Zuckermann (1999)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Aus Anlass des 75. Geburtstags des Filmemachers Volker Koepp bekommt sein Dokumentarfilm "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" 2019 eine Wiederaufführung im Kino. Der Film aus dem Jahr 1999 wird in einer restaurierten Fassung gezeigt. Auch nach 20 Jahren hat dieses Porträt zweier betagter jüdischer Einwohner von Czernowitz, die mittlerweile verstorben sind, nicht an Aussagekraft verloren. Die wechselhafte Geschichte der Stadt in der Bukowina, die im 20. Jahrhundert zu Österreich-Ungarn, zu Rumänien, der Sowjetunion gehörte und seit 1991 zur Ukraine, spiegelt sich in ihrem Leben und ihrem Selbstverständnis. Als Überlebende des Holocaust, der die große jüdische Gemeinde der Stadt dezimierte, wirken die beiden alten Menschen wie Gestrandete in einer Welt, die ihres Glanzes beraubt wurde. Sie geben Zeugnis ab vom einstigen Leben der Stadt und kommentieren auch aufmerksam die neuen politischen und gesellschaftlichen Strömungen.

Der deutsche Filmemacher Volker Koepp hat sich schon oft mit osteuropäischen Gegenden ("In Sarmatien", "Memelland") befasst, die die Heimat von Menschen verschiedener Sprachen und Kulturen sind. Über diese Gegenden fegte die Geschichte mit rücksichtslosem bis verheerendem Furor hinweg. Die Menschen, die sie überlebten, die blieben, wiederkehrten oder neu hinzuzogen, haben sich mit dem häufigen Wandel der politischen Macht arrangiert. Volker Koepp spürt individuell erlebte Geschichte auf, die sich so in historischen Büchern kaum finden lässt. Wie hat es sich angefühlt, in einer bestimmten Ära zu leben, aus welchen Erfahrungen und Prägungen speist sich das Selbstverständnis von Menschen, die viel verloren haben, aber nicht ihren Lebensmut?

Dieser Film setzt der jüdischen Geschichte und Kultur von Czernowitz ein lebendiges Denkmal. Mit Herrn Zwilling besucht er das traditionsreiche Jüdische Haus und den Friedhof, außerdem wird in einer jüdischen Schule, der Synagoge, auf religiösen Festen gedreht. Frau Zuckermann bezeichnet Herrn Zwilling als "meinen Ritter mit dem traurigen Angesicht". Nicht nur ihre Herkunft und das erlittene Schicksal verbinden diese beiden Freunde, sondern auch ihr Humor. Koepp und sein Kameramann Thomas Plenert lassen sich ein auf Situationen, die ihren Reiz und ihre Originalität wie von selbst entfalten.

Fazit: In seinem Dokumentarfilm aus dem Jahr 1999, der in einer restaurierten Fassung 20 Jahre später nun wieder ins Kino kommt, porträtiert Volker Koepp zwei betagte jüdische Einwohner der Stadt Czernowitz. Sie haben dort in der Bukowina unter österreichischer, rumänischer, sowjetischer Regierung gelebt und den Holocaust überlebt. Nun befinden sie sich in der Ukraine. Ihre Erzählungen pendeln zwischen früher und heute und legen Zeugnis ab von den starken Wurzeln jüdischer Kultur in der Stadt. Die scheinbar beiläufige Art der filmischen Beobachtung lässt eine aussagekräftige Atmosphäre entstehen, die stark vom Lebensgefühl dieser Menschen und an diesem Ort geprägt ist.




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