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Kritik: Buffalo 66 (1998)


Manche Filme müssen einfach gemacht werden - aber muß man sie sich auch ansehen? "Buffalo '66", Vincent Gallos erste Regiearbeit (tatsächlich schrieb der Schauspieler auch das Drehbuch und komponierte die Filmmusik) ist solch ein bemerkenswerter Fall: eine autobiographisch gefärbte Replik auf eine verkorkste Kindheit in einer verkorksten Familie in einer verkorksten Stadt.

Gallos persönliche, von narzißtischem Selbsthaß geprägte Abrechnung mit der eigenen Vergangenheit ist ein karger Film mit muffigen, heruntergekommenen Schauplätzen und Figuren. Die Handlung ist unsinnig, die Charaktere unplausibel - was jedoch Nebensache ist, versucht der Film doch erst gar nicht, eine mehr oder weniger glaubhafte Geschichte zu erzählen. Vielmehr projiziert "Buffalo '66" die avantgardistisch stilisierten Rachephantasien eines Filmemachers, der sich und seine familiäre Umgebung haßte und nun, da er es entgegen allen Prognosen als Schauspieler und Filmemacher zu etwas gebracht hat, mit einem Film über einen Menschen daherkommt, der sich und seine Eltern haßt. Kein Zweifel: Rache ist süß.

Und so ist "Buffalo '66" ein von maskulinen Gewaltausbrüchen dominierter Film, deren Darstellung einiges über den Zustand des amerikanischen Independent-Kinos verrät und Ähnlichkeiten mit Tarantinos "Mann aus Hollywood" aus dem Episodenfilm "Four Rooms" aufweist: Je menschenverachtender Gallo alias Billy Brown die von ihm entführte Layla im Film mißhandelt und je unausstehlicher er sich gebärdet, umso mehr erfüllt sie seinen Anspruch, von ihr geliebt zu werden - eine unverdiente Liebe zweifellos, und doch rettet sie den Protagonisten schließlich vor dem Abgrund, auf den der Film unaufhaltsam zuzusteuern scheint. Anders gesagt: Ich hasse euch - und dafür habt ihr mich zu lieben!

Kino für Fortgeschrittene.





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