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Kritik: Johanna von Orleans (1999)


Heilige, Hexe, Idol oder nur ein Bauernkind, das aus
eigenem Antrieb oder aus Rache ihr Land von den Engländern im
hundertjährigem Krieg befreien will? Genau diese Frage versucht Besson in seinem neuen Film auf den Grund zu gehen, wobei er sich um historisch korrekte Fakten nicht besonders bemüht, so wird zu Beginn des Films die Schwester von Johanna von Engländern ermordet und geschändet, in Wahrheit jedoch hatte die heilige Jungfrau eine ganz normale und ruhige Kindheit. Leider basiert der halbe Film auf Bessons Version von Jeanne d´Arc´s Kindheit und kann so nicht als völlig wahrheitsgetreues historisches Faktum durchgehen.

Wen kümmert´s: Bessons "Johanna von Orleans" überzeugt zwar nicht durch
hervorragende Story, doch episches Schlachtengetümmel, blitzende Schwerter
und rasante Sturmangriffe gleichen die wenigen Mängel locker aus und erinnern
an mittelalterlichen Glanz und Glorie. Nach Leelee Sobiesky in der TV-Version "Jeanne d´Arc: die Frau des Jahrtausends" verkörpert nun Milla Jovovich die französische Nationalheldin und sie macht dabei wahrlich keine schlechte Figur: Besson stellt sich seine Johanna als hysterisch, aufbrausend und emotional vor und diese Figur verkörpert Milla Jovovich nahezu perfekt, egal ob hysterisch kreischend oder unsicher und gottesfürchtig, niemals zuvor gab es eine bessere Jeanne d´Arc.
Obwohl gerade diese Darstellung in die Kritik geriet, so entspricht die
Umsetzung doch der Situation: Wenn man sich gegen Kriegslärm verständigen will,
muß man nun einmal schreien, und dieses emotional wankelmütige Bild entspricht
wohl der Wahrheit, denn kein Soldat, sei er auch noch so tapfer, würde
einem verschüchtertem, braven Bauernkind in die Schlacht folgen.

In der Reihe der Verfilmungen um die französische Heilige ist "Johanna von
Orleans" klar die epischste, von Aufwand und Qualität die beste, doch
reicht es nicht an Braveheart heran, der die Genrespitze beherrscht, ein
Platz unter den ersten drei ist "Johanna von Orleans" jedoch sicher, denn fast
niemals wurde Historie besser verfilmt.

Manuel


Nun wissen wir's: Jeanne d'Arc war eine Schizophrene. Hysterisch kreischend nähert sich die Auserwählte ihrem Feind, der sich prompt ängstlich hinter seine Festungsmauern duckt. Jedoch: Der übertriebene Zorn der gottgesandten Jungfrau sorgt für Heiterkeit im Publikum – das blutig-opernhafte Treiben auf der Leinwand droht in unfreiwilliger Komik zu versinken.

Viel Schlachtenlärm um nichts: Der neue Film von Luc Besson ist ein abstruses mystisches Gebräu mit eingebauter Garantie für Langeweile. Den Dialogen fehlen Schärfe, Pfiff und doppelter Boden – doch auch den blutigen Gemetzeln wohnen wir meist unbeteiligt bei. Wie immer liefert Thierry Arbogast ganz wunderschöne Bilder, die aufgesetzte CGI-Effekthascherei jedoch bedient Klischees: Nach seinem Meisterwerk "Leon“ und dem noch recht erträglichen "Das fünfte Element“ verabschiedet sich Besson mit diesem Sammelsurium von Symbolismen ins kreative Tal bombastischer Bedeutungslosigkeit.

Cherchez la femme: "Froschfresserhure“ nennen sie die Feinde, doch auch im eigenen Land will man die gottgesandte Schizophrene nicht mehr dulden. Dass sie am Ende auf dem Scheiterhaufen stirbt, kann man bei diesem Film durchaus als Akt der Gnade für die Hinterbliebenen deuten.

Feuer und Flamme für Gott und Vaterland.







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