VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Stigmata (1999)


Gruselfilme mit explizit religiösen Motiven waren schon immer so etwas wie ein Subgenre. Und das ist bei der Schreckensgeschichte der Weltreligionen auch durchaus naheliegend. Bei vielen dieser Filme - unübersehbar z. B. beim "Exorzist" und zuletzt bei "End of Days" - wurde das Thema jedoch plakativ und voyeuristisch ausgebeutet. Durchaus verständlich das Ganze, den um den Teufel sich rankenden Fantasien sind nunmal keine Grenzen gesetzt, das große Spektakel liegt auf der Hand. "Stigmata" geht da nun nicht gerade einen völlig anderen Weg, aber der Film variiert das Thema doch erfreulich. Zum einen geht es nicht um den Teufel, sondern um den lieben Gott, zum zweiten wird Religiösität hier durchaus ernst genommen und kritisch reflektiert.
Die Geschichte: Frankie Paige, 23, Frisörin, ist eigentlich eine ganz normale New Yorkerin. Doch eines Tages geschieht etwas, das sie von anderen jungen Frauen markant unterscheidet. Frankie wird von unheimlichen parapsychologischen Vorfällen heimgesucht. Blutende Wunden und schlimme Visionen sind der Anfang. Weder ein Arzt noch sonst jemand scheint ihr helfen zu können. Vor allem kann ihr niemand die quälende Frage beantworten: Warum ich - Warum erleidet ausgerechnet eine überzeugte Atheistin Stigmata, die Wunden Jesu ?
Die Vorfälle um Frankie schlagen schnell Wellen...bis in den Vatikan. Der dortige Kardinal hat für derlei Phänomene einen Beauftragten. Pater Andrew Kiernan ist Priester und Wissenschaftler zugleich. Im Namen der Kirche untersucht er vermeintliche Teufelsbesessenheit oder blutenden Statuen auf ihren Wahrheitsgehalt und entlarvt falsche Wunder.
In New York mit Frankie konfrontiert erkennt der weltgewandte Kirchenmann sofort, in welcher Gefahr sich die junge Frau befindet. Von ihr scheint eine Macht Besitz ergriffen zu haben, die alles andere als von dieser Welt ist. Selbst der Vatikan möchte damit eher nichts zu tun haben, aus allem anderem als uneigennützigen Motiven. Doch Kiernan beschließt, auch ohne die Hilfe aus Rom, Frankie zu helfen. Dass er damit das reinste Inferno entfacht, ahnt er nicht.
"Stigmata" verzichtet keineswegs auf den genre-immanenten Firlefanz wie verstellte Stimmen und entseelte Augen. Im Mittelpunkt steht jedoch so etwas wie der wahre Glaube, und der hat mit der Amtskirche und deren Pomp bekanntlich nichts zu tun. Überzeugend personifiziert wird diese essentielle Religiösität von Gabriel Byrne, der hier eine schauspielerische Galavorstellung abliefert und ein wunderbarer Sympathieträger ist. Das zweite Plus von "Stigmata" ist seine Machart. Die Vorbehalte, die normalerweise für Werberegisseure, die einen Spielfilm machen, gelten, greifen im Fall von Rupert Wainwright nicht. Zwar ist "Stigmata" durchaus designermäßig durchstilisiert. Aber dies geschieht auf einem derart hohen visuellen Niveau, dass einen vor lauter Opulenz und inszenatorischem Ideenreichtum die Augen übergehen. Erwähnenswert auch noch der stimmige Score von Smashing Pumpkins Chef Billy Corgan.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.