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Kritik: Bowfingers grosse Nummer (1999)


Es gibt sie also noch, die gute klassische Komödie: „Bowfingers große Nummer“ ist eine geistreiche Hommage an Hollywood – und der Beweis dafür, dass es nicht immer beißender Satire und abgründigen Humors bedarf, um uns 90 Minuten lang grandios zu unterhalten.

Im Gegensatz zu vielen anderen so genannten „Low-Brow-Comedies“ ist dieser Film, für den Steve Martin auch das Drehbuch schrieb, nicht eine müde Gag-Parade, sondern ein Gesamtpaket mit perfekt aufeinander abgestimmten Komponenten. Steve Martin und sein Co-Star Eddie Murphy präsentieren sich in absoluter Bestform, doch auch die Nebenrollen und sogar Statisten sind hier weit mehr als billige Staffage.

„Bowfingers große Nummer“ ist eine pointenreiche Liebeserklärung an das Kino, voller Details und Anspielungen, und doch in keiner Weise elitär – eine Komödie, bei der man ausnahmsweise nicht nur aus Verzweiflung lacht, sondern weil das Treiben auf der Leinwand wirklich komisch ist.

Rico Pfirstinger

Filme übers Filmemachen dürften so alt sein wie das Medium selbst, wobei die komödiantischen Versuche dem Stoff gerecht zu werden gegenüber den ernsthaften sicherlich in der Überzahl sind. Jüngstes, wenn auch nur in Teilen gelungenes Beispiel: "Bowfingers große Nummer" von Komödienroutinier Frank Oz nach einem Drehbuch von Steve Martin, der auch die Hauptrolle übernommen hat und den eigentlichen Star des Films, Eddie Murphy, verdientermaßen ins zweite Glied drängt. Gehörig durch den Kakao gezogen wird das Studiosytem Hollywoods, das natürlich, übertrieben ernst wie es sich nunmal nimmt bzw. gibt, zur bissigen Satire geradezu einlädt.
"Wir sind nicht die großen Macher in Hollywood, sondern die ganz kleinen", meint in ungewohnter Bescheidenheit Bobby Bowfinger, als er vor der überschaubaren Anzahl seiner Getreuen ein Fazit seines beruflichen Werdegangs zieht. Und selbst damit hat der notorisch erfolglose Filmproduzent und Regisseur noch übertrieben. In den letzten Jahren hat er nämlich, zumindest filmmäßig, rein gar nichts auf die Beine gestellt. Dann schneit aber eines Tages sein unterbeschäftigter Buchhalter ins enge Büro und Schlafzimmer und legt - den selbstbewussten Glanz des berufenen Künstlers in den Augen - ein Drehbuch auf den schmuddligen Tisch des Hauses. Es geht darin um Aliens, die in Form von Regentropfen auf die Erde fallen und die Menschheit heimsuchen. Hirnrissiger Stuss meinen alle...ausser Bowfinger, der in dem verquasten Stoff die Chance seines Lebens wittert. Schnell wird auf abenteuerliche Art und Weise ein Filmteam zusammengestellt, das vor allem aus Flüchtlingen aus Mexiko besteht, die noch keine Kamera gesehen haben. Aber Bowfinger schafft es, die ihm eigene Begeisterung für die Sache auf die anderen zu übertragen. Da wäre dann nur noch eines zu klären. Die potentiellen Geldgeber bestehen auf einem Star als Zugpferd für den Film. Und auch da hat Bowfinger eine grandiose Idee. Wie wärs denn mit einem weltberühmten Actionstar, der gar nicht mitkriegt, daß er unter der Regie von Bobby Bowfinger in einem viertklassigen Trash-Movie mitwirkt? Klingt zugegebenermaßen recht kurios, aber Bowfinger und seine Leute greifen ganz tief in die Trickkiste. Und so kommt es, dass tatsächlich der egozentrische Superstar Kit Ramsey bei dem Film mitmacht, freilich ohne es zu wissen. Natürlich geht das Ganze nur eine Weile gut, und schon bald laufen die Dinge, für Bowfinger nicht ungewöhnliches, heftig aus dem Ruder.
Dass "Bowfingers große Nummer" nur in Teilen funktioniert liegt weniger an dem durchaus originellen Drehbuch von Steve Martin, sondern vielmehr an der unentschlossenen Regie von Frank Oz. Zum einen kann sich der Film vom Tonfall her nicht so recht zwischen Klamauk und Parodie entscheiden. Zum anderen findet der Film nie zu einem geschlossenen Ganzen, sondern verliert sich ein ums andere mal in mehr oder weniger gelungenen Nummern. Oft hat man den Eindruck, dass hier einzelne Sketche mühsam durch eine Rahmenhandlung geklammert werden. Hinzu kommt, dass die Optik des Films allzu bieder ist und auch die Inszenierung selten über eher lebloses Fernsehniveau hinauskommt. Eigentlich schade, denn der Stoff birgt eine wahrlich gewaltige Scherzfülle, etliche Gags zünden durchaus und Steve Martin ist gut wie immer.





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