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Kritik: The Lost Son (1998)


Auffällig unauffällig ist es, wie versteckt die Veröffentlichung des neuen Films von Chris Menges daherkommt. Offenbar traut der Verleih dem Film kommerziell nicht viel zu und bringt das bereits vor zwei Jahren entstandene Werk nur äußerst zögerlich auf den hiesigen Markt. Dabei warten nicht nur eingefleischte Cinéasten seit fünf Jahren auf eine neue Regiearbeit des oscarprämierten Kameramannes (zuletzt "Der Boxer" und "Michael Collins"). Mit zwei wunderbaren Filmen hatte er sich zuvor auch einen Namen als einfühlsamer Regisseur sensibler Stoffe gemacht: "Zwei Welten" und "Probezeit" sind jeweils Filme, die exemplarisch zeigen, dass es möglich ist, komplexe Themen ohne substantiellen Reibungsverlust unterhaltsam und spannend filmisch umzusetzen.

Nun also "The Lost Son", und auch das Thema dieses Films könnte heikler nicht sein. Es geht um Kinderpornographie, und die Autoren Margaret und Eric Leclere sowie Regisseur Chris Menges gehen es in Form einer Detektivgeschichte an. Daniel Auteuil spielt Lombard, einen ehemaligen Polizisten der Pariser Drogenfahndung. Nachdem er den gewaltsamen Tod seiner Familie auf eigene Faust gerächt hat, wurde er gefeuert. Nun lebt er im Londoner Exil und verdingt sich als Privatdetektiv, der untreue Ehegattinnen ausspioniert. Auf Vermittlung eines ehemaligen Kollegen erhält er den Auftrag, den verschwundenen Sohn einer reichen Familie zu suchen. Bereits bei der Kontaktaufnahme mit seinen neuen Klienten deutet sich an, dass es hier um mehr geht, als um das titelgebende verlorenen Familienmitglied. Die Schwester des Vermissten ergeht sich in Andeutungen über dessen vermeintliche Heroinsucht und auch die Eltern verhalten sich merkwürdig indifferent. Das von Lombard veranschlagte stolze Honorar wird jedoch akzeptiert, was für den Detektiv den Startschuss für seine Recherchen bedeutet. Und diese führen ihn über einige Umwege in ein menschenverachtend zynisches Milieu. Das eigentliche Herz der Finsternis befindet sich jedoch keineswegs in Europa, sondern auf einer Farm in Mexiko. Von hier aus operiert ein weltweit verzweigter Kinderhandel. Als Lombard schließlich das ganze Ausmaß des Schreckens und der Perfidie klar wird, muss er um sein Leben fürchten.

Wem nun obige Zusammenfassung des Inhalts etwas vage erscheint, dem sei versichert, der Film ist ungleich diffuser. Und leider ist das nicht das einzige Problem von "The Lost Son". Am schlimmsten ist, dass der Film seinem brisanten Thema keinerlei Tiefe oder Erschütterung abzugewinnen vermag. Hinzu kommen erstaunliche handwerkliche Unfertigkeiten. Buch und Regie schaffen es an kaum einer Stelle, Interesse für die Personen, und sei es auch den Detektiv, zu entfachen. Bei völliger Abwesenheit von jedweder Spannung spult sich eine wirre Geschichte ab, die keinerlei Rhythmus besitzt. Um das Ganze überhaupt voranzutreiben, wird ein ums andere mal der Anrufbeantworter als erzählerische Klammer bemüht. Nicht eben ein filmisches Mittel.

Unterm Strich kommt "The Lost Son" einem filmischen Offenbarungseid ziemlich nahe, was bei dem Regisseur völlig unverständlich und bei dem Hauptdarsteller, der auf verlorenem Posten agiert, enorm schade ist.




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