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Tötet Mrs. Tingle
Tötet Mrs. Tingle
© Studiocanal

Kritik: Tötet Mrs. Tingle (1999)


Kevin Williamsons lang erwartetes Regiedebüt stand unter keinem guten Stern: kurz vor dem geplanten US-Start sorgten amoklaufende Schüler für gereizte Stimmung. Die Folge: Startverschiebung und Umbenennung von ?Killing...? in ?Teaching Mrs. Tingle? und ein Film, dem man die unzähligen Kompromisse und chirurgischen Eingriffe ansieht.

Seinen Drehbücher für ?Scream?, ?Ich weiß was du letzen Sommer getan hast? und zuletzt ?Faculty? attestieren Fans Genialität, Kritiker verblüfft lediglich die Masseneuphorie. Dem überschaubaren Williamson-Universum aus John Carpenter (?Halloween?) und John Hughes (?Breakfast Club?) konnte einzig Altmeister Wes Craven originelle und selbstironische Momente abgewinnen. Die absehbare Fortsetzung des schnellen Ruhms läuft nun auf großer Leinwand und zeigt, wieviel in dem Wunderkind steckt: nämlich nichts.

Mit Helen Mirren als titelgebende Mrs. Tingle hat Williamson eine erfahrene Shakespeare-Mimin verpflichtet. So viel zu den Pluspunkten des Thrillers, dessen Drehbuch Williamsons noch vor ?Scream? geschrieben hatte. Weder die Film- noch die Welt der Popkultur ist vor dem zitierwütigen Herrn sicher. Die Hauptrolle spielt Katie Holmes aus ?Dawson´s Creek?, einer Serie nach seiner eigenen Feder, ein verschrobener Auftritt von Molly Ringwald zitiert den erwähnten ?Breakfast Club?. Auch an Marylin Monroe und ?Der Exorzist? erinnert der 30-Jährige.

Aus der beabsichtigten schwarzen Komödie ist ein miserable Schau verschenkter Möglichkeiten geworden. Die Geschichte ist nicht nur einfallslos und zu jeder Zeit präzise vorhersagbar, sondern enthält eine sehr fragwürdige Aussage. Obwohl die allesamt eindimensional angelegten Schülerfiguren kriminell handeln, will Williamson dennoch Mrs. Tingle als Schurkin hinstellen und den Zuschauer so allen ernstes auf die Seite der Schüler locken -?schließlich kann sich doch kein jugendliches Zielpublikum mit einer bärbeißigen Lehrerin identifizieren. Genau das funktioniert natürlich zu keiner Zeit, weil Helen Mirren (?Excalibur?, ?2010?)als einzige Figur nachvollziehbar und plausibel handelt.

Das Schablonen-Drehbuch offenbart keinen Funken Intelligenz, was Williamson mit untalentierter Regie, der die Fähigkeit zur erkennbaren Ironie fehlt, pariert. Schauspielführung, Erzeugung von Spannungsmomenten, Dialogentwicklung und Logik sind für den Autor wohl Fremdwörter. Da auch die technische Seite des Films zu keiner Sekunde für Abwechslung sorgt, erreicht ?Tötet Mrs. Tingle? die denkbar schlechteste Note und fällt gnadenlos durch. Dank dem Hollywood-Motto ?Zielpublikum statt Qualität? hat Kevin Williamson bereits den nächsten Deal in der Tasche: ?Her Leading Man?. Worum es wohl geht?





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