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Kritik: Lieber gestern als nie (1998)


Innerhalb kürzester Zeit hält der beschaulichste Stadtteil Londons, Notting Hill, für zwei romantische Affären her – zuletzt im gleichnamigen Starvehikel Roberts-Grant. Handlungsort und grundlegende Intention sind rudimentäre und einzige Gemeinsamkeiten der beiden Produktionen. Viel offensichtlicher orientiert sich die Zeitreise an “Sie liebt ihn – sie liebt ihn nicht“, dem sie aber in keiner Beziehung das Wasser reichen kann.

Seit dem aberwitzigen “Und täglich grüßt das Murmeltier“ gehören Zeitschlaufen aller Art nicht mehr zu den originellsten, aber zu beliebten Eingebungen, die ohne Hinblick auf innere Logik für Unterhaltung sogen – bis hin zur kinetischen Studie “Lola rennt“.
“Lieber gestern als nie“ hat es angesichts solch prominenter Alternativen schwer: Doug Henshall als männliche Variante des Gwyneth Paltrow-Charakters ist bedauerlich blass und zeigt keine Spur des dringend benötigten Charismas. Lena Headley als seine weibliche Gegenspielerin nutzt ebenfalls kaum eine Möglichkeit, sich beim Publikum beliebt zu machen. Wie sollen da noch die Phantasien der Zuschauer erwachen?

Einer weitgehend ereignislosen Handlung stehen in diesem Falle keine rettenden komischen und nur wenige nachdenklichen Momente gegenüber. Zumindest streckenweise kann die spanische Regienovizin Maria Ripoll mit Tempo und schlagfertigen Dialogduellen überzeugen. Sie sichert ein immer brav-sympathisches, dadurch langweiliges Bild ihrer Figuren. Die feurige Penelope Cruz (“Live Flesh“), leider nur in einer Nebenrolle zu bewundern, und Elizabeth McGovern in einem Cameo als Barkeeperin entschädigen für diverse Mankos.

“Don´t look for this years birds in last years nest“. Dieses Zitat des spanischen Dichters Cervantes Saavedra lehrt, sich nicht von Geschehenem beeinflussen zu lassen – so auch der Tenor des Films. Gleichzeitig sind die zwei Zigeuner als Hinweis auf “Don Quijote“ von obigen Literaten zu verstehen. Die in diesen Szenen etablierte Magie der Bilder wird kurz darauf zum Raub einiger erklärender Passagen.

Lange nachdem der Zauber der bibliophilen Zigeunermystik verlorengegangen ist, reift die Inszenierung zu unerwarteter Einsicht der Hauptfigur. Das hat sie zwar mit ziemlich jedem Zeitreiseabenteuer gemeinsam, ein Quentchen unaufdringlicher und ehrlicher ist das allemal. Trotz aller naheliegenden Assoziationen erkämpft sich “Lieber gestern als nie“ seine Eigenständigkeit. Weniger durch eine bestechende Umsetzung, als durch Victors charakterliche Entwicklung und (triviale) Denkanstöße. Für eine Loser-Love-Story mit denkbar schlechtem Timing ist das wirklich respektabel.




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