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Kritik: Gierig (1998)


Wenn der Verleih einen Film längere Zeit auf Eis legt und den Start gleich mehrmals verschiebt, ist dies ein recht zuverlässiges Zeichen dafür, dass mit dem Werk etwas nicht stimmt, bzw. man nicht so recht weiß, wie es den Zuschauern zu vermitteln (also zu bewerben) ist. Der vorliegende Fall, "Gierig", ist besonders auffallend, da der Film bereits bei der Berlinale 99, also vor einem Jahr, gezeigt wurde. Die Reaktion des Publikums seinerzeit: allgemeines Kopfschütteln. Daran wird sich auch ein Jahr später nichts ändern, wenn "Gierig" nun mit wenigen Alibikopien doch noch ins Kino kommt. Dass dem überhaupt so ist, liegt vermutlich allein an diversen Fördergeldern, die den Beteiligten verlustig gingen, würde der Film ohne Umwege dorthin gelangen, wo er hingehört: ins Archiv.
Mit viel gutem Willen und entsprechend weitschweifender Fantasie ist zu ahnen, dass dem Autor und Regisseur Oskar Roehler u.U. ein Berlinfilm mit Scorsese-Feeling vorgeschwebt ist, "Meanstreets" in der Bundeshauptstadt. Herausgekommen ist ein billiges und rüdes Filmchen, das in seinen zynischsten Momenten aus menschenverachtenden Gesten versucht Kapital zu schlagen.
Für die Handlung genügen vier Sätze. Die Journalistin Natascha lebt mit dem Szenekünstler und Barbesitzer Gary in einer erkalteten Beziehung zusammen. Sie beginnt eine Affäre mit dem Boxer Sugar, der gerade an seinem Comeback arbeitet. Als Gary erfährt, dass er totkrank ist, bringt er sich auf spektakuläre Weise um. Sugar verliert seinen Kampf und sucht mit polierter Fresse Trost bei Natascha.
Die ohnehin dürftige Geschichte wird "erzählt" in einer fast willkürlichen Aneinanderreihung von Szenen, die jedwede Dramaturgie entbehrt. Stellenweise plätschert das Geschehen dermaßen konfus vor sich hin, dass auch beim bereits erwähnten besten Willen nicht zu sagen ist, was gerade passiert und vor allem warum. Unterlegt ist das Ganze mit kurios willkürlicher Musik, und auch Kamera und Schnitt passen sich dem fiaskösen Niveau an. Da können einem so verdiente Darsteller wie Richy Müller und Jasmin Tabatabai nur leid tun, die hier auf völlig verlorenem Posten chargieren.
Für Unterhaltung sorgen allein die z.T. brüllend komischen Dialoge. Beispiel: Richie Müller im Krankenhaus. Der Arzt zu ihm: "Sie haben einen Tumor, und es sieht ganz danach aus, als könne man nicht mehr operieren. Der Tumor ist schon zu groß. Aber das hat nichts weiter zu sagen...." Es geht halt nichts über trostspendende Diagnosegespräche von kompetenter Seite in schwerer Stunde.




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