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Kritik: Wehrlos - Die Tochter des Generals (1999)


Alles Routine: Dass Simon West ("Con Air“) kein Kunstwerk, sondern im besten Fall einen soliden Thriller liefern würde, war eine ausgemachte Sache. Der Brite, der sich als Regisseur von Werbefilmen einen Namen machte, beherrscht die Kunst, plakativ-verführerische Bilder zu erzeugen.

Die Rolle eines abgebrühten Militärermittlers wurde Travolta auf den Leib geschrieben. Leidtragende des Films ist Madeleine Stowe, deren im Drehbuch ausgeschmückte Love-Story in der nun vorliegenden Kinofassung nahezu komplett herausgeschnitten wurde. Der eigentliche Star des Streifens ist jedoch James Woods in einer Nebenrolle als geheimnisvoller Army-Captain, der sich geschliffene Verbalduelle mit Travolta liefert.

Schade, dass der auf einem Roman von Nelson DeMille basierende Thriller die üblichen Klischees des Genres nicht vermeidet. Nicht nur die Glaubwürdigkeit des Films leidet darunter – man glaubt auch viel zu früh zu wissen, wer der Mörder ist.
Bei einigen Beteiligten an dem Film muss sich im nachhinein das schlechte Gewissen gemeldet haben. Vor allem Regisseur Simon West betont z.B. im Interview auf der Pressekassette auffällig insistierend, wie wichtig bei seinem Film doch der Aspekt der kritischen Auseinandersetzung mit dem hermetisch geschlossenen militärischen Milieu sei, in dem der Film spielt. Schon möglich, im Kino ist davon freilich rein gar nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil: Selten wurden militärische Posen und Gesten derart hymnisch und schick (in Zeitlupe) abgefilmt wie hier. Zwar deutet die Auflösung des auf einem Militärstützpunkt in den Südstaaten angesiedelten Kriminalfalles leichte Kritik an der systemimmanenten Männerbündelei an. Aber unterschwelliger Hurrapatriotismus und ehrfurchtsvolles Staunen über den rigide hierarchischen Apparat lassen die sowieso eher halbherzigen "Misstöne" schnell verstummen.

"Wehrlos..." ist die Verfilmung eines Romans des Bestsellerautors Nelson DeMille. Der Mann weiß worüber er schreibt, war er doch selbst jahrelang Soldat und hatte z.B. in Vietnam "gedient".

Zur Geschichte: Ein grausiges Verbrechen bringt den mit weitgehenden Befugnissen ausgestatteten Ermittler für interne Angelegenheiten Paul Brenner auf einen Armeestützpunkt im Süden der USA. Hier ist die Tochter eines hochrangigen Generals, selbst Offizierin, einem grausigen Ritualmord zum Opfer gefallen. Vor Ort sieht sich Brenner, dem eine Psychologin zur Seite gestellt ist, mit einem diffizielen Interessengeflecht konfrontiert. Eine gradlinige Ermittlungsarbeit und Aufklärung scheint kaum möglich, zumal den beiden nur 36 Stunden Zeit bleiben. Dann wird das FBI und somit die Öffentlichkeit hinzugezogen.

Im Spannungsfeld zwischen militärischem und polizeilichem Ethos aufgerieben, finden Brenner und seine Kollegin heraus, dass das Opfer unter einem schlimmen Trauma gelitten und offenbar ein Doppelleben geführt hat. Dann wird der direkte Vorgesetzte der Ermordeten erschossen aufgefunden. Einiges deutet auf Selbstmord hin, und die höherrangigen Soldaten des Stützpunktes wollen den Fall damit abgeschlossen sehen. Als Brenner jedoch allzu nachdrücklich ersucht wird, seinen Abschlussbericht zu schreiben, dämmert ihm, dass das Ganze noch lange nicht zu Ende ist.

Neben der tiefen Verbeugung vor allem Militärischem sind es vor allem die Umstände des Mordes und die Genüsslichkeit mit der sie gefilmt werden die an dem Film abstoßen. Dass der ganze Fall zudem mit Ordinärpsychologie der übelsten Sorte daherkommt (Vergewaltigungsopfer findet Erfüllung in brutalem Ledersex), tut ein übriges.
Nicht unterschlagen werden soll an dieser Stelle, dass der Film exzellent besetzt ist. James Woods und Madeleine Stowe sind klasse. John Travolta glänzt mit geradezu einmaliger Präsenz und liefert sich mit Woods zwei famose Darstellerduelle. Auch ist der Film einfallsreich inszeniert und immens rasant geschnitten. Aber was soll’s, das sind die Werbespots für die Bundeswehr schließlich auch.




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