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Rules - Sekunden der Entscheidung
Rules - Sekunden der Entscheidung
© Ascot

Kritik: Rules - Sekunden der Entscheidung (2000)


Wem Worte wie "Soldatenehre" sofort das Blut in den Adern gefieren lassen, der sollte erst gar nicht mit dem Gedanken spielen, sich "Rules-Sekunden der Entscheidung" anzusehen. Denn William Friedkins Film erwartet zeitweise eine zu unvoreingenommene Einstellung seiner Zuschauer. Kleine Fehler, aber auch Verständnisprobleme, die man als Deutscher gegenüber dem amerikanischen Militärsystem hat, sorgen mehr als einmal dafür, dass falsche Schlüsse schon fast erzwungen werden, wenn es um das Thema Mord und Schuld im Militär geht.
Die Kernfrage, die "Rules" stellt, ist, ob ein Soldat für seine Tat zur Verantwortung gestellt werden kann, wenn in anderen Situationen genau dieselbe Handlungsweise von ihm verlangt würde. Denn das dargestellte Massaker entstand aus der Aggression der Demonstranten, die immerhin amerikanisches Hoheitsgebiet unter Beschuss nahmen. Aus politischer Sicht ist die Reaktion klar als falsch einzustufen, das Land möchte die Tat nicht auf seine Schultern nehmen, um die politische Situation nicht noch weiter Richtung Krieg zu treiben. Hier werden die Interessen von Politik und Militär gegeneinandergestellt, somit auch die Rolle des Militärs innerhalb der Demokratie hinterfragt.
Leider ist Friedkin nicht vollständig fähig, diese Frage auch klar zu stellen. Die Figuren auf der Seite des Rechts werden zu selten hinterfragt. Denn jede, ob Hodges oder Childers, ist in ihrem Sinne auch ein entarteter Charakter, ein Mensch, der vom Militär zu absolutem Gehorsam und Glauben an das eigene Land erzogen wurde. Statt Distanz aufzubauen, bleibt Friedkin diesen Figuren ganz nah. Bezeichnenderweise gibt es keine Identifikationsfigur außerhalb der Reihen des Militärs. So steht und fällt "Rules" vor allem mit der Bereitschaft, selbst auf Distanz zu gehen oder Freund der militärischen Drill-Methoden zu sein, sonst gehen einem die Sekunden der Entscheidung am Allerwertesten vorbei.
Baut der Zuschauer die fehlende Distanz selbst auf und geht er auch nicht indie Luft, wenn mehr als einmal das amerikanische Militär in voller Breite seine Rituale zelebriert, dann kann "Rules" zeitweise sehr intelligent unterhalten. Allerdings muss man dabei auch verknusen können, dass hier die Demonstranten klare Aggressoren sind.
Mehr noch als Ed Zwicks "Der Ausnahmezustand" hat "Rules-Sekunden der Entscheidung" viele Qualitäten und noch mehr Potential. Schade, dass gerade die etwas penetrante Männerfreundschaft und zu wenig Distanz zu den Militärs viel Wind aus den Segeln William Friedkins nehmen. Zum Glück macht „Rules“ aber nicht dieselbe Kehrtwende wie „Der Ausnahmezustand“, der das amerikanische Militär letztlich als positive Institution darstellte, deren Integrität nur von Einzelnen unterlaufen wird. So bleibt ein meist spannender Film, der aber leider nicht so gut ist, wie er hätte sein können.





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