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Catherine Zeta-Jones - Das Geisterschloss
Catherine Zeta-Jones - Das Geisterschloss
© United International Pictures

Kritik: Das Geisterschloss (1999)


Wehende Vorhänge, schlagende Fenster und ein Gemäuer von schier atemberaubender Opulenz: Ausstattung ist alles in dieser Reminiszenz an den guten alten Gruselfilm, als hilflose Damen von knarzenden Türen, nächtlichem Geraune und allerlei Gespenstern in den Wahnsinn getrieben wurden – und mit ihnen das Kinopublikum. So hat natürlich auch "Das Geisterschloss" von Jan De Bont eine Geheimtür in der Bibliothek – nur eines fehlt: Der viel zu lang geratene Streifen ist kein bisschen spannend.

Star-Wars-Mime Liam Neeson spielt dabei den (guten?) Doktor Marrow. Der inszeniert im Schloss ein Experiment der Angst und bekommt dabei ganz unerwartet Hilfe von ein paar verdammten Seelen, die im Gemäuer vegetieren. Als Versuchskaninchen dienen Lili Taylor als sensibles Mauerblümchen, Catherine Zeta-Jones ("Verlockende Falle") als bisexuelles Modepüppchen und Owen Wilson als sarkastischer Maulheld.

Jedoch: Die Schauspieler sind nur Staffage im mondänen Hexenhäuschen. Das Augenmerk gilt dem Design (11 Millionen Dollar flossen in endlose Flure, Schnitzereien und Skulpturen, einen verspiegelten Karussellraum, ausufernde Schlafzimmer, ein gespenstisches Kinderzimmer und einen verwunschenen Wintergarten), den in sieben Kanälen aufgenommenen Sound-Effekten des vielfachen Oscar-Gewinners Gary Rydstrom und schließlich den – höchstens in ihrer zunehmenden Kitschigkeit beängstigenden – Visual Effects aus dem Computer.

Zum faden Ende hatte auch noch Steven Spielberg seine Hand im Spiel: Der Studioboss persönlich bestellte bei George Lucas einen neuen Schluss mit viel Gedöns aus dem Computer – "Poltergeist" und "Casper" lassen grüßen. Da fahren die erlösten Seelen dann in engelhafter Süßlichkeit gen Himmel, während der böse Hausbesitzer bald im Fegefeuer schmort.

Viel Lärm um nichts.
© Rico

Schaut man sich die Herbst- und Winterstaffel der Verleiher an und glaubt darüber hinaus cineastischen Trendscouts mit dem nötigen internationalen Überblick, so sind in den kommenden Monaten Horrorfilme der unterschiedlichsten Couleur angesagt. Das Spektrum reicht von betulichem Grusel über blutiges Gemetzel bis hin zu abstrusen Kuriosa wie "Blair Witch Project" (darüber an dieser Stelle demnächst mehr). Eindeutig ersterer Kategorie ist "Das Geisterschloss" von Jan De Bont zuzurechnen. Die Majorproduktion (Dreamworks) klotzt mit sündhaft teuren Bauten, spart aber leider an Spannung und Charme. Vermutlich ist dies auf den Regisseur zurückzuführen, der vor Jahren mit "Speed" zwar einen Meilenstein des Actionkinos geschaffen hat, danach aber keinen Stoff mehr so richtig in den Griff bekommen hat. Ob’s beim "Geisterschloss" nun am mangelhaften Drehbuch oder der dürftigen Umsetzung liegt, der Film kommt nie so richtig in Fahrt, die Charaktere bleiben blass bis beliebig, ein Spannungsaufbau findet nicht statt. Schon merkwürdig, denn bei Spielbergs Produktionsfirma wurde gerade auf derlei Handwerklichkeiten immer besonderer Wert gelegt.

Die dürftige und alles andere als plausible Geschichte ist mit ein paar Sätzen zusammengefasst. Ein Dr. Marrow (unklar in welcher Disziplin tätig) arbeitet an einem Forschungsprojekt über Angst und Hysterie. Unter dem Vorwand, ihre Schlafstörungen zu untersuchen, lockt er drei Versuchspersonen in ein weitläufiges Gebäude namens Hill House (?!). Schon in der ersten Nacht werden die Gäste von allerlei Spukerscheinungen erschreckt. Einige der angsteinflößenden Vorgänge entspringen dabei ihrer lebendigen Phantasie, andere scheinen durchaus real zu sein. Wie auch immer, Hill House entwickelt sich zum titelgebenden Geisterschloss. Wie meistens bei derlei Umtrieben ist es die böse Vergangenheit, die sich in allerlei Hokuspokus manifestiert. Als schließlich Dr. Marrow zu ahnen beginnt, dass ihm sein Forschungsprojekt entgleitet, ist es zu spät und die Mächte des Bösen walten ihres Amtes.
Im Hause Dreamsworks wollte man unübersehbar den guten alten "gothic horror" wiederbeleben mit seinem üblichen Repertoire wie düstere Wandelgänge, quietschende Tore, wehende Vorhänge, knarrende Treppen-stufen, finstere Gemälde etc. Dies Beiwerk funktioniert aber nur im Rahmen einer guten Geschichte und sorgfältig ausgearbeiteter Charaktere, und daran fehlt’s völlig. Spätestens wenn man sich nach einer dreiviertel Stunde an den beachtlichen Schauwerten des Films sattgesehen hat, macht sich Desinteresse und Langeweile breit. Und wenn am Ende tief in die Special-Effects-Kiste gegriffen wird, entpuppt sich "Das Geisterschloss" als komplett fauler Zauber, der etwa so gruselig ist wie ein Werbespot für Windeln. Letztendlich macht sich gar unfreiwillige Komik breit, was ja wohl das Schlimmste ist, was man einem Gruselfilm nachsagen kann. Jan De Bont knüpft mit seinem neuen Film leider nahtlos an das Fiasko von "Speed 2" an und hat somit endgültig sein Renommee verspielt.




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