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Final Destination
Final Destination
© Kinowelt

Kritik: Final Destination (2000)


Wenn Mysterymacher wie James Wong und Glen Morgan ("Akte X", "Millennium") zusammen mit New Line Cinema den Teeniehorror bedienen wollen, will man sich schon gleich ängstlich in den Bau zurückziehen. Weder die Mystery-Götter, denen -wo immer man auch im TV hinzappen mag - auch schon lange nichts wirklich Prickelndes mehr eingefallen ist, noch New Line Cinema, die im Teenie-Geschäft kräftig mitmischten, dabei aber schon seit den 80ern neben Qualität auch viel Schrott auf die Leinwände warfen, gelten als Garanten für den großen Spaß. Dazu kommt eine Reihe Jungschauspieler, von denen man nur dann schon einmal gehört hat, wenn sie denn mal auf den Gehaltslisten eines gewissen Kevin Williamson ("Scream", "Dawson's Creek") gestanden haben (hier: Kerr Smith). Die anderen werden - schon ganz routiniert in der Welle des Halbstarkenhorrors - als Jungstar oder Newcomer angepriesen, auch wenn man wohl nie wieder von ihnen hören wird. Man kann sich denken, ich ging nicht gerade mit freudiger Erwartung in die Vorstellung zu "Final Destination".

Man kann nicht gerade sagen, dass die Story meine Vorurteile Lügen strafte. Ein junger Schüler namens Alex (Devon Sawa) möchte zum Abschluss mit seiner Schulklasse nach Frankreich in Urlaub fliegen. Im Flugzeug, kurz vor dem Start, bekommt er aber die Vision, dass das Flugzeug, nachdem es abgehoben hat, explodieren wird (Mystery) und rastet aus. So werden er und vier Mitschüler, sowie eine der begleitenden Lehrkräfte von Bord geschickt. Kurz darauf startet der Jet und explodiert wirklich. Was ist geschehen? Alex hat keine Ahnung, nur merkt er, dass seine Umwelt unterschiedlich darauf reagiert. Als dann noch kurz darauf sein Freund Tod, der aus Solidarität mit ihm von der Maschine ging, stranguliert im Bad seines Elternhauses gefunden wird und Alex wieder unter mysteriösen Umständen davon erfuhr, verdichtet sich sein Verdacht: Der Tod will die Überlebenden in der Reihenfolge, in der sie auf dem Flugzeug gestorben wären, zu sich holen (Horror).

Erstaunlich ist hierbei, dass der Tod in "Final Destination" sehr viel Einfallsreichtum und zynischen Humor beweist, wenn er die sechs Kandiaten nach dem Domino-Prinzip in immer neue Fallen laufen lässt, nur damit sie immer tiefer in ihr Verderben rennen. Überhaupt scheint alles, was nicht gerade mit der Geschichte selbst zu tun hat, wirklich profund. Die Regie leistet etwas, was ich schon lang auf der Kinoleinwand vermisste. James Wong inszeniert mit fast schon schlafwandlerischen Sicherheit seinen Spannungsaufbau und weiß ihn auch in gut platzierten Schocks zu entladen. Wenn die Schauspieler auch recht konturlos bleiben, so lässt "Final Destination" doch eine gruselige Stimmung aufkommen, ohne dass der bitterschwarze Humor bei den harten Tötungsakten irgendwie im Wege stände. Erfrischend ernst bleibt der Grund-Ton, manchmal mit einem bösen Grinsen, aber niemals wirklich ironisch, wie es seit "Scream" zum (scheinbaren) Pflichtprogramm amerikanischer Teeniefilme gehörte.

"Final Destination" schaffte es über weite Strecken hinweg, meine Vorurteile zu zerstreuen. Der Film ist locker inszeniert, zumeist spannend und, bis auf das Ende, auch wirklich unterhaltsam. Leider merkt man gerade den Schlussminuten an, dass sie auf Wunsch des Studios angehängt wurden, um einen pessimistischeren Schluss abzumildern. Schade, denn gerade das hätte diesem Streifen noch gut getan. Im Gegensatz zu dem einzigen vergleichbaren Mystery-Teenie Verschnitt "Dich kriegen wir auch noch", der ebenfalls von einem "Akte X"-erprobten Team stammte, kann "Final Destination" als Kinofilm überzeugen. Er erreicht das, was er erreichen will, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Als kleiner Tipp für die männlichen Leser: "Final Destination" funktioniert hervorragend als Dating-Movie, sorgt er doch blind dafür, dass die weibliche Begleitung - ein wenig schwächere Nerven vorausgesetzt- mehr als einmal am Oberarm hängen wird. Ich habe so etwas bei der Pressevorführung jedenfalls vermisst.
Knut Brockmann

Teen-Horror ist nicht zwangsläufig Synonym für kreischende College-Models, die vor urbanen Legenden türmen. James Wong, Verfasser einiger "Akte X"- und "Millenium"-Episoden, vereint das kassenträchtige Jugend-Genre mit der Mystery von "Twilight Zone". Dass dabei kein Rahmen gesprengt, das Publikum aber ordentlich bedient wird, verdient bereits Lob.
Auf plausible Erklärungen und Wahrscheinlichkeiten verzichtet Wong zu Gunsten eines effektvollen, sorgfältig durchgestylten Markenprodukts, dass seine Herkunft kaum leugnet, aber mitunter geschickt verbirgt. Mit der Präsenz des drohenden Todes, sowie einigen ausgefallenen, in ihrer Brutalität ungewöhnlich "kreativen" Morde, glückt ein düsteres Szenario. Als solcher nicht immer zu erkennender Humor soll die finsteren Plotpfade wieder erhellen.
Wie es sich gehört, zollt "Final Destination" einigen Genregrößen Respekt, ohne die selbstreferentiellen Anleihen zum Handlungsfaktor zu erheben. So verbucht "Candyman" Tony Todd einen teuflischen Auftritt, manche Figuren tragen Namen legendärer Darsteller. Darunter Max Schreck, die Verkörperung von Murnaus "Nosferatu".
In der zunehmend turbulenten wie augenzwinkernden Handlung versucht Devon Sawa, in "Die Killerhand" noch selbst Todesbote, dem vorzeitigen Ableben zu entkommen. Dabei kann er auf Hysterie und Einfallsreichtum seiner Kombattanten zurückgreifen, bis der Mittelweg aus Spannung, Schrecken und Spaß gefunden ist. Reifere Neueinsteiger dürften dies kaum zum Lachen oder gar niveauvoll finden, doch dem Zielpublikum wird auch dieses übernatürliche Horrorsüppchen munden.





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