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Get Real - Von Mann zu Mann
Get Real - Von Mann zu Mann
© Kinowelt

Kritik: Get Real - Von Mann zu Mann (1998)


Das wohl unsäglichste Film-Genre sind die amerikanischen sog. High-School-Filme, die derzeit gerade mal wieder schwer angesagt zu sein scheinen. Unsäglich nicht, weil der Schulalltag postpubertierender Jugendlicher kein Thema wäre, ganz im Gegenteil. Oftmals geradezu beschämend an diesen Filmen ist vielmehr, dass sie ihr in diversen Initiationen gefangenes Personal kein bisschen ernst nehmen und es für laue Gags und allerlei lauten Klamauk ausbeuten.

Dass das auch ganz anders geht, dass nämlich Alltag in Schule und Elternhaus sowie sexuelle Orientierungsschwierigkeiten, gerade auch im Rahmen einer funkensprühenden Komödie, ernst genommen werden können, beweist der famose britische Film "Get Real". Simon Shore drehte seinen Debütfilm nach einem Drehbuch und Bühnenstück von Patrick Wilde.
Erzählt wird die Geschichte des 16-jährigen Steven, dem das angestaubte Flair seiner Eliteschule zu eng wird. Dies gilt politisch - er engagiert sich bei einer linksliberalen Schülerzeitung - und vor allem sexuell. Steven fühlt sich nämlich mit Macht zum eigenen Geschlecht hingezogen. Das schafft im provinziellen Umfeld allerlei Probleme, die er jedoch größtenteils mit sich selbst ausmachen muss, da er seine Homosexualität geheimhält. Einzig seine füllige Freundin Linda sowie sein derzeitiger Schwarm John wissen darum. Sie alle sind gefangen in einem repressiven Klima voller Lügen und Geheimnisse. Das geht soweit, dass John, die Sportskanone der Schule, nicht einmal sich selbst gegenüber sein Schwulsein eingesteht und nebenbei sogar eine Alibifreundin hat.

Die Geschichte von "Get Real" ist jedoch ganz aus der Sicht von Steven erzählt und widmet sich dessen existentieller Bedrängnis. Und die eskaliert in dem Maße, in dem wieder einmal eine Entdeckung von Stevens sexueller Orientierung droht. Schließlich hält er die innere Zerrissenheit nicht mehr aus und veröffentlicht in der Schülerzeitung einen anonymen Artikel, in dem er seine fatale psycho-sexuelle Gefühlslage innerhalb des Schulumfeldes schildert. Als der Artikel jedoch zensiert wird, platzt Steven entgültig der Kragen, und er geht rückhaltlos in die Offensive.
Selten hat in den letzten Jahren ein Film köstlicher und somit vielversprechender angefangen als "Get Real". Drei perfekte Gags zu tollen Bildern im souveränen Cinemascopeformat in zwei Minuten. Damit ist der enorme Standart des Films vorgegeben, und der wird mit kleinen Abstrichen bis zum Schluss durchgehalten. Besonders eindrucksvoll ist hierbei der gelungene Balanceakt zwischen sensibler Alltags-Beobachtung voller Problembewußtsein und herrlichem, durchaus auch mal anzüglichem Witz. Bei allem Tempo, das "Get Real" vorlegt, weiß der Regisseur aber jederzeit, wann eine dramaturgische Pause eingelegt werden muss. Hervorzuheben ist auch unbedingt das exzellente Spiel der Darsteller, allen voran Ben Silverstone in der Hauptrolle. Im Ganzen ist "Get Real" ein wahres Juwel von Film und steht damit haushoch über dem gängigen Mainstream...nicht nur dem der High School-Klamotten.




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