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Die wiedergefundene Zeit (1999)

Le temps retrouvé

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Paris 1922. Der Schriftsteller Marcel Proust liegt auf dem Sterbebett. In diesem Bett und in diesem Zimmer, das er seit zwei Jahren kaum verlassen hat, hat er die letzten Bände seines Jahrhundertromans „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ geschrieben. Fotografien erinnern ihn an seine Familie, seine Freunde und die Frauen, die er geliebt hat. Längst sind für ihn die Biler der realen Personen zu Bildern seiner Romanfiguren geworden. Proust versinkt in Erinnerungen an den Roman, der sein Leben geworden ist.

Filmkritik

"...man kann den Film sehen, ohne Proust gelesen zu haben, das ist vielleicht sogar besser. Mich interessiert die aristokratische Gesellschaft weniger als Proust, da sie meine Epoche nicht so stark beherrscht,..."behauptet Regisseur Raùl Ruiz. Beim Ansehen des Filmes stellt sich dann aber leider doch das Gefühl ein, dass es nicht nur besser, sondern geradezu notwendig gewesen wäre das zugrundeliegende Romanwerk zu lesen.

"Die wiedergefundene Zeit" folgt durch drei Zeitabschnitte hindurch dem Leben des Ich-Erzählers Marcel aus Marcel Prousts Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", den Proust 1922 auf dem Sterbebett zu vollenden suchte. Auch dieser Prozess des Schreibens ist Teil des Filmes. Die Erlebnisse führen Marcel mit einem Panoptikum der französischen aristokratischen und bürgerlichen Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen. Er ist Gast in den wichtigen Salons und nimmt am gehobenen gesellschaftlichen Leben mit den Soiréen teil. Die Erlebnisse vermischen sich mit Kindheitserinnerungen zu den einzelnen Personen.

Ein komplexes Gesellschaftsportrait hat der Film werden wollen. Man kann ihm nicht einmal vorwerfen, dass die einzelnen Ereignisse schlecht inszeniert wären. Nein, jede Szene wirkt wie ein bis in kleinste Detail ausgedachtes Tableau. Das ist perfekt, zu perfekt, denn dadurch taucht man nicht ein in die Gesellschaft, sondern bleibt außen vor, ist Beobachter steriler Brillanz. Vieles von den einzelnen Geschichten erschließt sich nicht. Obwohl der Film mit zweieinhalb Stunden nicht kurz ist, hätte er noch länger sein müssen, um aus seiner Skizzenhaftigkeit herauszutreten. Sergio Leone hat für "Es war einmal in Amerika" vier Stunden gebraucht, nach "Die wiedergefundene Zeit", weiß man warum.





Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1999
Genre: Drama
Länge: 158 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 18.01.2001
Regie: Raoul Ruiz
Darsteller: John Malkovich, Catherine Deneuve, Chiara Mastroianni
Verleih: Schwarz-Weiss Filmverleih



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