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Rosie (1998)

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Für ihre 13 Jahre hat Rosie schon ziemlich viel hinter sich. Sie sitzt in Jugendhaft und erklärt jedem, der es wissen will, daß ihr nichts leid tut. Sie ist frech und frühreif, abgebrüht und dennoch zart und sensibel zugleich. Ihre Mutter ist gerade mal 15 Jahre älter als sie und nennt sich selbst die ältere Schwester. Sie hat eine Menge eigene Probleme, mit dem Leben, mit den
Männern, da ist wenig Platz für die Sorgen von Rosie. Und einen Vater gibt es nicht. Dafür aber gibt es Jimi, den Rosie zärtlich liebt. Er ist ihr rettender Engel, ihr Prinz, der sie den bedrückenden Alltag vergessen läßt. Bis Rosies Onkel, ein Spieler und Schmarotzer, auftaucht und alle zu tyrannisieren beginnt. Doch Rosie wehrt sich. Und das hat böse Konsequenzen für die ganze Familie.




Filmkritik

Wenn ein Film eine Geschichte wie die in "Rosie" erzählt, dann besteht immer die Gefahr, in allzu simple Schwarz-Weiß-Malerei abzugleiten. Nur zu einfach wäre es, klare Fronten aufzubauen, damit das Geschehen für den Zuschauer leichter konsumierbar wird. Dass es Patrice Toye bereits in ihrem Erstlingswerk verstanden hat, nicht in diese Falle zu tappen, zeugt von einem großen Talent, wobei sie sich aber auch auf die Qualität ihrer Geschichte verlassen konnte. Von dieser sicher geführt entwickelt sich ein sensibles Sozialdrama, dass eher ruhige Töne anschlägt und erst zum Ende hin eine dramatische Steigerung erfährt. Der Film vermeidet es geschickt, Rosies Probleme mit überdramatisierten Paukenschlägen zu inszenieren, und dem Onkel verleiht er auch menschliche Züge, da dieser sich durchaus für Rosie interessiert. Das Dilemma, in dem sich das junge Mädchen befindet, wird durch kleinere, gut nachvollziehbare Ereignisse dem Zuschauer nahegebracht. So leugnet die Mutter gegenüber Fremden stets, dass Rosie ihre Tochter ist, weil es ihr peinlich ist, wie jung sie bereits Mutter wurde. Als der Onkel zu Besuch kommt und sich länger einnistet, muss Rosie ihr Zimmer für diesen räumen. Die dergestalt auf leisen Sohlen daherkommende Charakterisierung der Situation des Mädchens ist zugleich Stärke und Schwäche des Films. Einerseits sorgt dies für Authentizität, da man nicht ständig das Gefühl hat, einem übertriebenen durchkalkulierten Drama beizuwohnen, dass sich schon längst von jedem Realitätsbezug abgekoppelt hat, andererseits fehlt in den Ereignissen ein wenig der vorbereitende Unterbau, für die folgenden Konsequenzen. Es mangelt an der richtigen Ausbalancierung. Der Wille, nicht zu dick aufzutragen, hat zu einer leichten Unentschlossenheit geführt, die dem Film nicht immer gut bekommt. Der kleine Bruch macht sich dann auch im Finale erkennbar, wenn in einer Szene alle wichtigen Charaktere aufeinandertreffen und die emotionalen Ausbrüche nicht mehr vollständig nachvollziehbar sind. Das geht aber nie soweit, dass die innere Logik der Geschichte zerrissen würde.

Mit der Situation des Mädchens korrespondiert auch der visuelle Stil des Films. Zumeist in blassen Farben aufgenommene Bilder der Wohngegend erzählen treffend von Rosies fehlender Geborgenheit. Aber zwischendurch gibt es einzelne Fragmente, die für einen kleinen Augenblick dem Mädchen das geben, was es vermisst. Dazu gehört sowohl Jimi, dem sie voll vertraut, als auch ein Baby, um das sie sich kümmern möchte. Nur sind die Begleitumstände bereits so traurig, dass die rechte Hoffnung nicht aufkommen will.

Patrice Toye hat mit "Rosie" ein in vielen Punkten gelungenes und ambitioniertes Erstlingswerk hingelegt. Die dramaturgischen Schwächen halten sich in Grenzen, so dass der Film auf sehenswerte Weise das bedrückende Schicksal Rosies zeigt.




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Land: Belgien
Jahr: 1998
Genre: Drama
Länge: 97 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 15.06.2000
Regie: Patrice Toy
Darsteller: Aranka Coppens, Frank Vercruysse, Dirk Roofthooft
Verleih: Pegasos

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