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Was tun, wenn´s brennt? (2001)

Sechs ehemalige Hausbesetzer müssen sich nach vielen Jahren wieder zusammentun, um ihre Spuren zu einer Straftat zu verwischen. Gregor Schnitzler gelingt mit seinem Regiedebut eine überzeugende und wirklichkeitsnahe deutsche Komödie voller MelUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

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13 Jahre sind vergangen, seitdem Tim, Flo, Maik, Hotte, Nele und Terror gemeinsam in einem besetzten Haus lebten. Die in kreativer Anarchie verbrachte Zeit scheint die schönste ihres Lebens gewesen zu sein. Fast alles hat sich seither verändert: Den damaligen Idealen sind nur der charismatische Tim und der an den Rollstuhl gefesselte Hotte treu geblieben. Maik leitet längst eine erfolgreiche Werbeagentur, Nele schlägt sich als alleinerziehende Mutter durchs Leben, Flo steht kurz vor ihrer Hochzeit, und Terror befindet sich auf dem besten Weg, ausgerechnet als Staatsanwalt Karriere zu machen. Die unterschiedlichen Lebenswege der ehemaligen Freunde haben sich im neuen Berlin seit Jahren nicht mehr gekreuzt. Doch als ein längst vergessener, selbst gebastelter Sprengsatz, den sie 1987 in einer leeren Villa im Grunewald deponiert hatten, unerwartet explodiert, holt sie die Vergangenheit wieder ein. Notgedrungen müssen sich die Sechs nach all den Jahren treffen und - wenn auch widerwillig - zusammenraufen, um ihre Spuren von damals zu verwischen und dem Polizeiermittler Manowsky zu entkommen. Noch schwieriger, als ihre Haut zu retten, ist es für die Gruppe, sich der Vergangenheit zu stellen. Haben sie die richtigen Lebenswege gewählt? Und was ist aus ihrer gemeinsamen Vision von einer besseren Welt geworden?

Filmkritik

"Keine Macht für niemanden!" - so das Motto einer Generation, die aus den Wurzeln der 68er-Bewegung den Kampf gegen das Establishment fortführte. Der "kleine Mann" protestierte wieder und bildete eine anarchistische Opposition gegen die Obrigkeit des Staates. Niemand sollte das Recht haben, Menschen zu regieren. Dafür galt es zu demonstrieren.

Es waren die achtziger Jahre. Mittendrin, in Berlin-Kreuzberg lebte eine Hand voll junger Idealisten in einem der zahlreichen besetzen Häuser. Sie waren Freunde, fast eine Familie. Sie waren die "Gruppe 36". Als Outlaws genossen sie ihre Freiheit und verteidigten diese auch mit Gewalt. Selbstgebastelte Sprengsätze kamen zum Einsatz. Einer von ihnen wurde in einer leerstehenden Villa im Grunewald deponiert. Ein Blindgänger, der erst 13 Jahre später explodieren sollte.

Der nunmehr ungewollte Anschlag bleibt nicht ohne Folgen. Menschen werden leicht verletzt und dem Polizei-Ermittler Manowsky (Klaus Löwitsch) wird ein Vorwand geliefert, endlich etwas gegen die ihm so verhasste Hausbesetzerszene zu tun. So lässt er das Haus in der Machnowstraße stürmen, in dem unterdessen nur noch zwei der ursprünglich sechs "Terroristen" hausen. Der leidenschaftliche Anarcho Tim (Til Schweiger) und das Berliner Urgestein Hotte (Martin Feifel) halten noch immer die Stellung. Als die Staatsgewalt anrückt, ist Tim nicht daheim und Hotte nahezu wehrlos. Er sitzt im Rollstuhl.

Die Polizei konfisziert jede Menge Material - unter anderem auch einige Filmrollen. Auf einem der Bänder ist zu sehen, wie die Truppe einen Sprengsatz bastelt. Ein Beweisstück, das sechs Menschen nach vielen Jahren nun den Kopf kosten könnte.

Der Film muss vernichtet werden. Die Vergangenheit hat die "Gruppe 36" bereits eingeholt, doch weiter darf es nicht kommen. Tim und Hotte trommeln die alten Weggefährten zusammen, um einen gemeinsamen Schlachtplan zu entwerfen. Wie sich jedoch schnell herausstellt, sind die ehemaligen Freiheitskämpfer unlängst Teil des Systems geworden, das sie selbst einst boykottierten. Der damalige Vorzeigepunker Maik (Sebastian Blomberg) leitet eine florierende Werbeagentur, die einst so politisch motivierte Überzeugungstäterin Nele (Nadja Uhl) ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder, der stets so unerschrockene Terror (Matthias Matschke) ist angehender Staatsanwalt und die Ex-Freundin von Tim, Flo (Doris Schretzmayer) hat ebenfalls alles Vergangene verdrängt...

Das Kinodebüt Gregor Schnitzlers wurde bereits im Vorfeld gefeiert. Bei der Vorpremiere beim Kinofest Lünen gewann es den vom Publikum vergebenen Filmpreis und setzte sich damit gegen Mitbewerber wie "Nichts bereuen" und "Der Tunnel" durch. Außerdem erhielt "Was tun, wenn´s brennt?" den erstmalig von einer Fachjury vergebenen Preis für den "Besten Filmtitel".

Schnitzler gelingt es, eine energiegeladene Geschichte zu erzählen, die sich im Kern um das Thema Freundschaft dreht. Er zeigt sechs universelle Charaktere, deren Ideale einst eine Gruppe formte, die in ihrer Wertvorstellung unerschütterlich schien. Und auch wenn der Zahn der Zeit an diesen Werten nagte, ist die Flamme der Zusammengehörigkeit doch nie ganz erloschen.

Der Ensemblefilm ist treffsicher besetzt. Allen voran Sebastian Blomberg ("Anatomie") - als herrlich arroganter Werbeschnösel - bleibt haften. Und auch Til Schweiger gibt in deutschen Filmproduktionen einfach eine deutlich bessere Figur ab.

Ein Manko von "Was tun, wenn´s brennt?" ist jedoch der leicht überspannte Bogen des anarchistischen Lebensstils, der zu sehr verherrlicht und zu wenig in Frage gestellt wird. Somit entsteht teilweise ein vielleicht ungewollt komödiantisches Zerrbild, das die Polizei einmal mehr zu Dorfdeppen degradiert und Gefahr läuft, den sozialkritischen Touch zu verlieren. Es sei denn, der Film soll als reiner Klamauk verstanden werden. Davon ab bleibt "Was tun, wenn´s brennt?" ein sehenswerter Beitrag aus deutschen Landen - und das ist ja leider noch immer erwähnenswert.





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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2001
Genre: Komödie
Länge: 102 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 31.01.2002
Regie: Gregor Schnitzler
Darsteller: Nadja Uhl, Til Schweiger, Martin Feifel
Verleih: Columbia TriStar

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