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Kritik: Kleine Sünden (1998)


Wer einen weiteren Beweis dafür braucht, dass Klerus und Klöster einer der wichtigsten Eckpfeiler der gehobenen Satire geworden sind, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. In seinem Filmdebüt spart der Baske Ramon Barea nicht mit sarkastischen Seitenhieben auf muffige Kirchentraditionen, die freilich allesamt an genau den richtigen Schwachstellen ansetzen. Ein schwelender Konflikt zwischen progressiven und konservativen Nonnen inmitten eines verwaisten spanischen Klosters dient als Hintergrund für die Inszenierung des beileibe nicht neuen Spagats der katholischen Kirche zwischen Tradition und Gegenwart. Natürlich bedient sich auch Barea wie viele seiner antiklerikalen Vorgänger aus Hollywood einer ganzen Fülle an Klischees und plakativer Symbolik, doch weiß er diese mit Hintersinn einzusetzen: So muss eine Monstranz als Schaufelgerät herhalten, um durch einen unterirdischen Tunnel in die profane Freiheit zu gelangen – Barea lässt sich die Kirche mit ihren eigenen Waffen schlagen und präsentiert doch gleichzeitig die Sinnentleerung archaischer Christensymbolik. In einer anderen Szene tarnt eine Schar allzu weltlicher Nonnen ihre heimliche Gazetten-Lektüre mit einem Bibeleinband – hinter derart lustigem Zinnober versteckt Barea eine Kirchenkritik mit Tiefgang: Die Kirche als eine auf Fassaden ruhende morsche Konstruktion ohne Innenleben.
Schon mit der Wahl des Genres begibt sich Barea auf einen satirischen Pfad: Vor allem die raffinierte Verbindung von Klosterpersiflage mit den typischen Spannungselementen eines Gefängnisthrillers durch das Graben eines unterirdischen Tunnels demonstriert das Ausschöpfen aller satirischen Mittel. Gerade in der genialen Verquickung von Slapstick und hintergründigem Sarkasmus auf allen filmischen Ebenen liegt der Wert dieses Streifens, der als seichte Komödie wie auch als beißende Satire gleichermaßen einen erleuchtenden Abend bescheren kann.




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