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Kikujiros Sommer (1999)

Kikujiro No Natsu

User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Der achtjährige, schüchterne Masao wohnt mit seiner Großmutter in Tokio. Als die Sommerferien anbrechen und die gesamte Stadt wie `leergefegt` erscheint, fühlt sich
Masao, der seine Eltern nie kennengelernt hat, noch einsamer. Er begibt sich mit seinem kleinen Rucksack beladen auf die Suche nach seiner Mutter, die, um für den Kleinen sorgen zu können, in einer anderen Stadt arbeitet. Noch kaum unterwegs, trifft er auf einen älteren, etwas merkwürdigen Knaben, Kikujiro, der zunächst versucht Masao um das wenige Geld, das er besitzt, zu erleichtern, um sich dann seiner anzunehmen. Gemeinsam erleben sie ein Abenteuer nach dem anderen, in das sie vor allem durch Kikujiro hineinkatapultiert werden, bis sie letztlich tatsächlich an Masaos Ziel ankommen.
Kitanos, ein wenig an "Der Zauberer von Oz" erinnernder Film, war der diesjährige Gewinner der Goldenen Palme beim Filmfestival in Cannes.

Filmkritik

"Beat" Takeshi Kitano ist das, was man landläufig als Multimedia-Talent bezeichnet. Seit Beginn der 80er Jahre ist er im japanischen Fernsehen allgegenwärtig, eine kleine Rolle als brutaler Aufseher in "Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence" machte ihn 1983 auch im Westen bekannt. 1989 übernahm er die Regie in einem brachliegenden Projekt und schuf nach einigen Veränderungen den Yakuza-Thriller "Violent Cop", ein vor Gewalt und Zynismus strotzendes Werk, das wegen seines ungewöhnlichen Stils wahre Begeisterungsstürme unter Cineasten auslöste. Auch die markanten Filme "Sonatine" und "Hana-Bi", der immerhin 1997 den "Goldenen Löwen" in Venedig gewann, blieben einen kleinem Kreis vorbehalten. Die schwerlich konsumierbaren Gewaltstudien würzte Kitano zunehmend mit makabren Humor und zugänglichen künstlerischen Referenzen.

Der Trend hält auch in "Kikujiros Sommer" an, einem liebevollen Roadmovie um die Freundschaft zwischen dem engstirnigen Yakuza Kikujiro und dem schüchternen Jungen Masoa. Takeshi Kitano spielt den Yakuza, einen missmutigen, grobschlächtigen Versager, in den er Züge seines echten Vater eingearbeitet hat. Er wirkt wie ein Relikt vergangener Gangsterthriller, die bislang die Handlung in seinen Filmen forcierten. Auf tragischen Wendepunkte verzichtet er diesmal vollständig. Sein größten Pluspunkt, die momentane Poesie, löst Kitano völlig von einer gängigen Erzählstruktur. Ohne zwingende Tragik verknüpft er bewusst infantile Pointen zum losen Geflecht. Wie ein Kinderbuch wirken die in Kapitel aufgeteilten Impressionen, erneut durch Überblendungen, abstrakte Formen und Kitanos eigene Kunstwerke verziert. Statt einer treibenden Handlung beherrschen einfallsreiche, groteske und grobe Spiele, Streiche und Scherze die Szenerie.

Der Abschied von blutbesudelten Gewalt-Exzessen bedeutet keinen Verzicht auf das Spiel mit der Erwartungshaltung. Auch die langen Einstellungen, aus denen der Poker-Face-Actor immer wieder hinausläuft, sind weiterhin treue Begleiter. Die vorherrschende Dialoglosigkeit zielt noch deutlicher auf Stummfilmkomödianten wie Buster Keaton und Charlie Chaplin ab, deren wortlose Missgeschicke sich hier unbeschwert fortsetzen. Mit einer fröhlichen Tanzeinlage à la "Wizard of Oz" klingt ein gewohnt schräger Film aus, der die permanente Weiterentwicklung der bereits 52-jährigen Japaners zeigt. Unterlegt von dem wiederkehrenden Pianothema seines Hauskomponisten Joe Hisaishi, kann man in den blaustichig-blassen Bildern viel neues zwischen den vertrauten Gesten entdecken. Kitano-Insider sollten auf den Mann an der Bushaltestelle achten, ein Cameo von Beat Kiyoshi, dem jahrelangen Komödien-Partner des Filmemachers.




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Land: Japan
Jahr: 1999
Genre: Drama, Komödie
Länge: 121 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 18.11.1999
Regie: Takeshi Kitano
Darsteller: Takeshi Kitano, Yusuke Sekiguchi, Kayoko Kishimoto
Verleih: Senator Film, Wild Bunch

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