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Kritik: Zurück zu Dir (2000)


Kein Genre ist abhängiger von der Präsenz der Darsteller und deren Chemie untereinander als die romantische Komödie. Deshalb wird die älteste Geschichte der Welt in all ihren Variationsmöglichkeiten auch gerade auf der Leinwand immer wieder erzählt werden können. Die Liebe ist nun mal ein ganz ureigener Zauber und ihr Glanz spiegelt sich in den Gesichtern nicht austauschbarer Individuen. Und solche Gesichter bzw. Schauspieler, die die magischen Momente der Liebe und die Kraft und Glaubwürdigkeit ihrer individuellen Geschichte transportieren, wird es immer geben. Stimmt also die vielbeschworene Chemie zwischen den Hauptdarstellern, hat ein Liebesfilm eigentlich schon gewonnen, und das erzählerische Moment kann nicht mehr viel kaputtmachen.
Genauso verhält es sich mit der kleinen amerikanischen Produktion "Zurück zu dir". Der Film ist denkbar unspektakulär und die Geschichte im Kern alles andere als neu. Dass es trotzdem Freude macht hier zuzuschauen, liegt allein an den Hauptdarstellern und ihrem glaubwürdigen Spiel voller warmherziger Ausstrahlung. David Duchovny wird man ja nun, da "Akte X" ausgelaufen ist, hoffentlich öfters im Kino zu sehen bekommen. Er hat genau den Charme und die Leinwandpräsenz, die ein Kevin Costner gern hätte, aber nie erreichen wird. Und Minnie Driver ist spätestens seit ihrer Oscarnominierung für den (hoffnungslos überschätzten) Film "Good Will Huntung" in Wartestellung.
"Zurück zu dir" nimmt sich viel Zeit für die behutsame Annäherung der Protagonisten, die als leicht verletzliche Seelen eingeführt werden. Duchovny spielt den Bauunternehmer Bob Rueland, der nach dem Unfalltod seiner Frau in tiefe Trauer versunken ist. Immer wieder versuchen Freunde und Kollegen die Lebensgeister des scheuen Mannes neu zu entfachen. Eines Tages ist es dann aber doch eher der Zufall, der ihm die Tür zurück ins Leben öffnet. Bei einem Abendessen mit Bekannten lernt Bob Grace die nicht minder scheue Bedienung des kleinen italienischen Lokals kennen. Die beiden ahnen nicht, dass es da etwas gibt, was sie längst miteinander verbindet. Nach dem gewaltsamen Tod von Bob’s Frau, wurde ihr Herz als Spenderorgan entnommen und der herzkranken Grace eingepflanzt. Sie ist es dann auch, die als erste die Zusammenhänge durchschaut. Als sie sich schließlich Bob offenbart, ist die frappierende Neuigkeit zuviel für ihn, und er weist Grace zurück. Die noch knospende Liebe der beiden scheint bereits in Frage gestellt.

Neben seinen wunderbaren Hauptdarstellern besticht "Zurück zu dir" auch durch stimmiges und witziges Randpersonal und eine Fülle kleiner Gags, die unaufdringlich das sensible Geschehen begleiten. Besonders einfühlsam schildert der Film die bedrückenden Trauerphase des Witwers (vor allem in dem hinreißenden Bild, als er seinem Hund versucht klarzumachen, dass "Frauchen" nicht mehr zurückkommt) und wie er sie überwindet. Gerade in diesen Sequenzen ist der Film denkbar weit von verlogenem und effektheischerischem Gefühlskitsch entfernt. Einige dramaturgische Holprigkeiten können den positiven Eindruck eines Filmes, der im besten Sinne altmodisch ist, in keiner Weise trüben.

Thomas



Ein erster Gedanke, der mir bei "Zurück zu Dir" kam, war: "Mein Gott, wie naiv!". Der direkt folgende lautete wie folgt: "Hey, das funktioniert ja wirklich gut!". Wer hätte es gedacht. Ein so altmodischer Film, der von seiner Story und seiner ganzen Stimmung her noch aus den 50er Jahren stammen könnte (ohne übrigens das Frauenbild zu übernehmen), schafft es im Jahr 2000 ebenso gut zu funktionieren.

Neben ihrer Naivität hat die Geschichte gleich mehrere Schlenker in Richtung "konstruiert und unglaubwürdig": Die schöne und erfolgreiche Tierforscherin Elizabeth Rueland (Joely Richardson) hat nach einer Spendenkampagne für ein größeres Gorilla-Gehege im Chicagoer Zoo einen tödlichen Unfall. Ihr sie über alles liebender Mann Bob (David Duchovny) ist am Boden zerstört, doch für die junge und herzkranke Grace (Minnie Driver) bedeutet dies die Rettung. Denn Elizabeth Herz steht ihr nun zur Verfügung. Ein Jahr später treffen Bob und Grace sich zum ersten Mal - und gleich funkt es. Bob - inzwischen regelrecht verwahrlost und zurückgezogen lebend - und Grace kommen sich immer näher, nur hat Grace Angst, dass Bob ihre Narbe sehen könnte. Als sie dann auch noch herausfindet, wessen Herz in ihr schlägt, scheint es nie zum Happy End kommen zu können.

"Zurück zu Dir" verlangt ein paar Dinge von seinen Zuschauern, die heutzutage noch selten gefordert werden. Er funktioniert nur unter der Voraussetzung, dass wir den Glauben an die unendliche Liebe (mit dem Herz als Symbol) und an das Märchenhafte in uns bewahrt haben. Wenn wir statt dessen dem Zynikertum verfallen sind, wird "Zurück zu Dir" zu einer Qual, schlimmer noch als alle anderen romantischen Komödien unserer Zeit. Hoffnungslose (oder -volle?) Romantiker werden dagegen vor Freude aufschreien dürfen, denn für sie stimmt das Programm.

"Zurück zu Dir" strotzt nur so vor Charme, was auch an der Altherrenriege liegt, die Grace zur Seite gestellt bekommt. Diese leiten nämlich unter Anführung von Graces Großvater und seinem italienischen Compagnon Roberto (Angelo Pardipillo) das italienisch-irische Restaurant, in dem große Teile der Handlung stattfinden. Deren alltägliche Poker-Sessions liefern viel vom Humor, der den ärgsten Romantik-Szenen, die schon zum Billig-Kitsch umzuklappen scheinen, etwas den Wind aus den Segeln nimmt. Ebenso steht es mit den "Sidekicks" Graces. Neben einem erstaunlich zurückhaltenden James Belushi als Ehemann spielt hier Regiedebütantin Bonnie Hunt die (sehr lebensnahe) Mutter einer Großfamilie und gute Freundin Megan. Dennoch stechen vor allem die beiden Hauptdarsteller heraus, denen "Zurück zu Dir" so gut wie alles verdankt. Minnie Driver ist langsam einer der absoluten Geheimtipps. Wie schon in den kleinen Perlen "Good Will Hunting" und "Grosse Pointe Blank" spielt sie herausragend auf. Richtig erstaunlich ist aber die Leistung von David Duchovny, der seinen "Akte X"-Mulder innerhalb kürzester Zeit weggespielt hat. Eine solch markante Rolle so schnell loszuwerden, gehört zu den schwierigsten Aufgaben von Schauspielern.

Die Chemie zwischen diesen beiden Darstellern stimmt hervorragend. So ist es für Regisseur und Drehbuchautorin Bonnie Hunt auch etwas einfacher, den Film aus dem Trott des seit den 90ern üblichen Schema der Nora Ephron herauszuhebeln. Denn seit "Harry und Sally" gab es ja kaum eine Romanze mehr, die es wagte, etwas anderes zu probieren. Mit seiner altertümlichen Naivität und seinem noch weltferneren Märchen hat es "Zurück zu Dir" sicherlich nicht ganz so einfach, sein Publikum zu finden, da ein paar Szenen dann doch nicht so gut funktionieren. Bezeichnenderweise sind es gerade die, die noch immer an Ephron und Co. erinnern, wie zum Beispiel die typische "Kennenlern"-Sequenz, in der unter einem gefälligen Song mehrere Dates der beiden Hauptfiguren zusammengeschnitten werden. Andere erstaunlich ernsthaft inszenierte Sequenzen machen solche Schwächen aber meist wieder wett, wie zum Beispiel gleich zu Anfang eine ernsthafte Umkehrung des Kennenlernens, als unter trauriger Musik zuerst Bob und seine Frau tanzend eingeblendet werden, danach gleich aber ihre Einlieferung ins Krankenhaus gezeigt wird. Dieser Moment geht, ebenso wie die herausragend gespielte Trauer-Szene Bobs, sehr zu Herzen und prägt somit einen Film, der einem Frank Sinatra-Song sehr ähnlich ist: Hoffnungslos altmodisch, aber gerade deshalb gut.




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