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Kritik: Majestät brauchen Sonne (1999)


Peter Schamoni ist einer der letzten Aktiven des berühmten Oberhausener Manifestes, in dem 1962 Opas Kino für tot erklärt wurde. Das Datum gilt als die Geburtsstunde des deutschen Autorenfilms der 60er und 70er Jahre. Das Spielfilmschaffen des einstigen Kinorebellen hält sich allerdings in überschaubaren Größen. Der Dokumentarfilm hatte es Schamoni schon immer mehr angetan. Waren es bis dato filmische Verbeugungen vor Kreativen anderer Kunstgenres (Hundertwasser, Caspar David Friedrich, Max Ernst, Niki de Saint Phalle), so widmet er sich diesmal der Politik. In "Majestät brauchen Sonne" geht es um den letzten deutschen Kaiser.

Wilhelm II galt zu Beginn des Jahrhunderts als der erste deutsche Medienstar. Zum einen stürzte sich das neue Medium Film auf die vermeintlichen Licht(!)gestalten seiner Zeit. Andererseits förderte der eitle Monarch nur allzu gerne die neue Lichtspielkunst, deren propagandistischen Wert er schnell erkannt hatte. Wilhelm liebte es, Menschen gefilmt zu sehen, vor allem sich selbst. Somit konnte Schamoni auf einen reichen Fundus von zeitgenössischem Bildmaterial zurückgreifen. Dieses zu sichten, zuzuordnen und schließlich in historischen Kontext und Kontinuität zu bringen hat mehrere Jahre gedauert. Herausgekommen ist ein durchaus unterhaltsamer Film über ein schillerndes Faszinosum der Zeitgeschichte. Zugleich ist "Majestät brauchen Sonne" auch ein ironischer und detailverliebter Blick auf die Kindertage der Kinematographie. Immerhin enthält das Werk die historisch sensationellen ersten bewegten Farbbilder. Sie stammen aus dem Jahre 1913 und zeigen ein verschwenderisch ausgestattetes Berlin während eines Empfangs diverser gekrönter Häupter anlässlich der Hochzeit der einzige Kaisertochter Viktoria Luise mit dem Welfenherzog Ernst August von Braunschweig.

Im Ganzen ist der recht amüsante Bilderbogen dennoch etwas zwiespältig geraten. Fast scheint es nämlich so, als sei Schamoni selbst der aufbeblasenen Prachtentfaltung und störrischen Egomanie des Monarchen erlegen. Zwar wird dieser durchaus als kleinbürgerlicher Stiesel charakterisiert, dessen Neigung zur selbstherrlichen Inszenierung gepaart mit kolossaler Geldverschwendung ans Lächerliche grenzte. Sein infantiles und gefährliches Politikverständnis streift Schamoni leider nur am Rande. Kurios dann allerdings wieder die Bilder aus des Kaisers holländischem Exil, wo er Jahre mit weitgehend sinnfreiem Baumfällen und Holzhacken verbrachte.






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