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Kritik: DoppelPack (2000)


Wenn Produzenten keine Drehbücher lesen können und somit ihr Geld in Projekte verpulvern, denen man eigentlich schon in einem frühen Entwicklungsstadium anmerken müßte, dass sie nicht funktionieren, so ist das deren Sache. Wenn dann aber öffentliche Gremien die Schwäche von Drehbüchern nicht erkennen und Filme fördern, die logischerweise peinlich schlecht werden, wird es bedenklich bzw. ärgerlich. Wie im Fall von "Doppelpack", dem ersten Spielfilm von Matthias Lehmann, Absolvent der HFF München. Läßt man nämlich alles filmische Beiwerk weg und destilliert aus dem fertigen Film das Verbale und das Atmosphärische heraus, müsste eigentlich auffallen, dass es schon da, also am Drehbuch, mächtig hapert.

Natürlich ist es einen Versuch wert, sich einmal von ausgetretenen narrativen Pfaden zu entfernen und einen Film bzw. eine Geschichte ganz aus einer Stimmung heraus zu entwickeln. Lehmann ist denn auch (laut Presseheft) geradezu stolz darauf, bei "Doppelpack" die Kamera immer dann eingeschaltet zu haben, wenn sie bei anderen Filmen längst ausgeschaltet ist. Das kann hinhauen, aber nur wenn die Darsteller funktionieren. Und schon sind wir beim nächsten Fiasko des Films, der sich als klassisches Buddy-Movie geben möchte. Markus Knüfken und Eckhard Preuß als ungleiche Freunde mit partieller Gleichgesinnung funktionieren nämlich nicht nur nicht, sie beißen sich geradezu.

Jetzt ein paar Sätze zum Inhalt, von Geschichte kann nun wirklich nicht gesprochen werden: Hoffi und Lehmi, zwei Durchhänger aus dem Ruhrpott, stromern ziellos durch Dortmund. Lieblingsbeschäftigung hier: Flaschenbier trinken und der Zeit beim Vergehen zuschauen. Ihre Route (und der Gang der Films) führt sie übers Wasserbüffelgehege des Zoos zum Frühstück bei Muttern, einer kuriosen Geburtstagsparty bei einer Tante, zu einem Likörprobierstand, in ein Bekleidungsgeschäft, durch jede Menge Fußgängerzone bis hin zu einem abendlichen Punkkonzert. Unterwegs gabeln sie zwei Mädels auf und überreden sie zum gemeinsamen Konzertbesuch. Ende.

Was an den beiden faden und dumpfbackigen Typen interessant sein soll, die außer der Fähigkeit zu bedenklichem Alkoholkonsum und dem unbedingten Willen zum Flachsinn und blöden Sprüchen aber auch gar nichts zu bieten haben, ist allein das Geheimnis von Autor und Regisseur.

Aber auch vom Filmischen her lässt Matthias Lehmann - und das ist für einen der gerade von der Filmhochschule kommt schon erstaunlich - kaum einen Fehler aus. Die den Protagonisten angedichtete Trägheit zieht sich in jeder Form durch den ganzen Film. Tempo und Witz: Fehlanzeige. Die wenigen Dialoge kommen aufgesagt und gestelzt daher. Die angedeuteten Liebesgeschichten sind in ihrer Unglaubwürdigkeit geradezu lachhaft. Immer wieder sind Szenen uneinheitlich oder auch überdeutlich inszeniert, so dass keinerlei Timing aufkommt. Hinzu kommt, dass Musik und Off-Stimme willkürlich eingesetzt werden. Und dass die beiden Hauptdarsteller, vor allem Markus Knüfken, entsetzlich schlecht sind, ist dann letztlich auch egal.




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