oder

Russische Hochzeit (2000)

La Noce

User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

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Eine Kleinstadt, irgendwo in der russischen Provinz: Moskau ist weit weg, der Tauschhandel blüht, seit Monaten wurden keine Löhne mehr ausgezahlt. Der einzige Arbeitgeber ist das örtliche Bergwerk. In die chronisch provisorische Atmosphäre kehrt ausgerechnet die schöne Tanja zurück- sie war einst in die Hauptstadt aufgebrochen, um Model zu werden. Nun verkündet sie, für immer in der Stadt bleiben zu wollen. Besonders verblüfft ist Mischa, der von Tanja stark umworben, ja sogar zur baldigen Heirat gedrängt wird... Mischas Familie betrachtet die Braut mißtrauisch. Sein Vater, einstiger "Held der Arbeit", sieht ängstlich die Gästeliste länger und länger werden. Doch wer soll das bezahlen?

Filmkritik

Manchmal ist die Suche im Heil der ungebremsten Lebensfreude das einzige Mittel gegen erbarmungswürdige Umstände. Sowohl für Pawel Lungin wie auch für die Protagonisten seiner „Russischen Hochzeit“ ist jedenfalls klar, dass sie sich ihr Dasein nicht vermiesen lassen wollen; egal ob der Dorfpolizist korrupt ist, der Lohn nicht gezahlt wird oder es für eine prachtvolle Hochzeit an allen Ecken und Enden fehlt.

Eine Ansammlung von Verlierern des Umbruchs in Russland präsentiert der Film als pfiffige Menschen, die es bereits während des Sozialismus gelernt hatten, sich die nötigen Dinge im Mangel zu organisieren und Feste gegen die Tristesse des Alltags zu feiern. So überrascht es nicht, dass der Zuschauer eine große, ausgelassene Hochzeitsfeier sehen darf, die mit den Mitteln der Burleske in Szene gesetzt wurde. Die Menschen tanzen, machen Musik, sind zu kindischen Späßen aufgelegt und schütten den guten Wodka nur so in sich hinein. Wenn ein Hochzeitsgeschenk fehlt, dann wird es eben kurzerhand auf eine charmante Weise gestohlen, die mehr an Lausbuben als an gemeine Diebe erinnert.

Das solchermaßen etablierte Durcheinander des russischen Alltags einer Gemeinde fern ab von Russland kontrastiert über die einfache lebensbejahende Botschaft ein Refugium der zusammenhaltenden Gemeinschaft mit dem rauhen Wind des Kapitalismus. Hier, so hat man das Gefühl, ist die Glitzerwelt des modernen Materialismus und der westlichen Fetische wie zum Beispiel McDonald’s, noch nicht angekommen. Das ist ein klarer, kritischer Kommentar zu einer Entwicklung, die in allem westlichen einen neuen Götzen gefunden hat. Hier liegt auch die kleine Schwäche von „Russische Hochzeit“ begründet. Allzu einfach ist es, dem Kapitalismus eine nostalgisch verklärte Welt der starkem Gemeinschaft gegenüberzustellen, die der miesen wirtschaftlichen Situation ein fröhliches Grinsen entgegen wirft. Natürlich hat das seinen Reiz und gerne würde man es glauben, aber es ist mehr herbei gefleht als selbstsicher vorgetragen. Hübsch hingegen ist der Einfall, einen Moskauer, den man zynisch als Vertreter von Russlands „New Economy“ - nämlich der Mafia – bezeichnen könnte, zu einem Clown zu degradieren, der den chaotischen Verhältnissen nicht gewachsen ist. Er muss unverrichteter Dinge ohne „sein Mädchen“ wieder abziehen. Hier verdichtet sich „Russische Hochzeit“ parabelhaft zu einer Betrachtung von Machtverhältnissen.

Pawel Lungin inszeniert mit „Russische Hochzeit“ eine erfrischende Komödie, die über die Stärke der Gemeinschaft, welche ihr Heil in der Burleske sucht, dem kalten Wind des Kapitalismus ein Schnippchen schlagen möchte. Ein Film, der den Wodka mindestens ebenso eingeflöst hat, wie seine Protagonisten.





Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Frankreich, Russland, Deutschland
Jahr: 2000
Genre: Komödie
Länge: 114 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 17.05.2001
Regie: Pavel Lounguine
Darsteller: Marat Basharov, Vladimir Kachpour, Elena Novikova
Verleih: Ventura Film



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