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Kalt ist der Abendhauch
Kalt ist der Abendhauch
© Wild Bunch

Kritik: Kalt ist der Abendhauch (2000)


Viele deutsche Filme wollen große Geschichten, leidenschaftliche Emotionen und bedeutende Themen. Nur: meist torpediert ihre mangelhafte Umsetzung die eigenen Ansprüche. Die Ambitionen versinken in einer unbeholfenen Erzählung, die eigentlich locker und natürlich sein sollte. Dieser Film umspannt ein Menschenleben vor dem Hintergrund der letzten 50 Jahre deutscher Vergangenheit. Und er hat genau jene Probleme.
Nach dem katastrophalen Flop "The Long Hello and Short Goodbye" kehrt Rainer Kaufmann zur Erfolgsformel Ingrid Noll zurück. Mit der Adaption ihres gleichnamigen Romans landete die makabre Beziehungskomödie "Die Apothekerin" einen beachtlichen Erfolg, der sich nun offensichtlich wiederholen soll. Erneut liefert Noll die Vorlage für ein Liebesdrama mit schnoddrigem, schwarzen Humor. Beides will jedoch nie so recht harmonieren.
Davon zeugt die Heimkehr von Charlottes Gatten, den sie, angeekelt von dem halbtoten Soldaten, unwillkürlich tötet und dann einfach im Keller einbetoniert. Die dramatische Schlüsselfunktion - sie befreit sich für ihre große Liebe Hugo - wird völlig ins Lächerliche gezogen. Dass "Kalt ist der Abendhauch" dennoch genießbar bleibt, ist allein der Verdienst der angesehenen, erstklassigen Besetzung.
Kaufmann beweist zwar durchaus Gespür für poetische Augenblicke. Doch deren Zwanglosigkeit hält er nicht durch, sondern inszeniert steifes Theater, das seltsam unbelebt bleibt. Mit "Stadtgespräch" gelang ihm einst, was hier nicht funktioniert. Das wichtige Ziel, die Emotionen zum Zuschauer zu transportieren, verhindern sowohl der unangebrachte Humor als auch der stotterige Stil.




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