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Kritik: Die Gefangene (2000)


Dieser Mann ist eifersüchtig auf ihre Vergangenheit. Von Wahn, Angst und Sehnsucht getrieben verfolgt er seine Geliebte, überwacht sie und verhört sie beständig. Ein Film voller Leidenschaft, mit brodelnden Emotionen? Ganz im Gegenteil. Ein Film ohne Gefühl, ohne Leben, ohne Humor.

Simon, ein edler Pariser Sproß, die veilchenblauen Augen stets in einem starren Blick konzentriert, stolziert über knarrende Dielen durch die pompöse Wohnung – so sieht ein großer Teil der Handlung aus. Ariane verbringt die meiste Zeit mit einer Freundin, lernt nebenbei das Singen und gibt Simon ausweichende Antworten. Was zwischen den beiden vorgeht, bleibt sehr vage. "Tu was Du willst" bietet sie ihm wieder und wieder an, obwohl er sie kontrolliert. Alle Gespräche sind Verhöre mit festgelegten Rollen. Sie siezen sich, schlafen nicht im selben Bett. Er begehrt sie überhaupt nur, wenn sie schläft.

Chantal Akermann hat ihre lockere Proust-Adaption kühl und ästhetisch inszeniert: Das Ganze ist schön anzusehen, aber leblos. In den besten Momenten erwartet man, dass jetzt sofort etwas passiert - Mon Dieu, können Simon und Ariane nicht endlich mal ihren Gesichtsausdruck ändern, sich anschreien, vielleicht sogar lachen? Wann erwischt er sie endlich mit einer Frau im Bett?

Das distanzierte, gestelzte Spiel der Protagonisten (schade, dass Sylvie Testud hier nicht wirklich spielen darf) verschließt sich jeglicher Anteilnahme der Zuschauer. Mag sein, dass deshalb auch der völlig abstruse Schluß nicht mehr enttäuscht.





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