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Kritik: Jesus' Son (1999)


Dass es in einem Film mit einem solchermaßen plakativ religiösen Titel alles andere als jesusmäßig zugeht, liegt nahe und trifft zu. Vielmehr spielen Sex and Drugs & Rock‘n Roll die tragende Rolle in dieser schillernd-absurden Drifter-Story der neuseeländischen Regisseurin Alison Maclean. Ohne erhobenen Zeigefinger und fernab jedweder moralischen Bewertung erzählt sie episodenhaft aus dem Leben des Drogen-Flippies FH (Fuck Head). Entstanden ist ein ebenso amüsantes wie melancholisches Roadmovie, fernab der gängigen Erzählkonventionen, dennoch oder gerade deswegen auf seine Art überaus stimmig und packend. Wo der jugendliche Protagonist seinen wenig schmeichelhaften Rufnamen her hat, wird nicht erklärt. Jedenfalls zieht er notorisch das Fiasko in jeder Form auf sich. Selbst seine wie er ewig zugedröhnten Kumpels beäugen seine Pechsträhne argwöhnisch und gehen auf Distanz, um nicht ständig mit im Schlamassel zu sitzen. Eines Tages zeigt sich für FH Licht am Ende des Tunnels. Sie heißt Michelle und ist eine echte Geistesverwandte. Wobei das mit dem Geist nicht auf die Goldwaage gelegt werden sollte. Die junge Dame hat nämlich einen ähnlich fatalen Hang zu allem was sich rauchen, sniefen, schlucken oder spritzen lässt wie FH. Aber wie so vieles im Leben machen auch Exzess und Extase zu zweit mehr Spaß als alleine. Und so begibt sich das wenig vielversprechende Paar auf ausgedehnte Beutetour. Nicht kriminelle Energie ist es, die sie motiviert, sondern die immensen Kosten des Dauerrausches.
Ewig geht so ein Lebenswandel natürlich nicht gut. Und so gerät FH durch eine Reihe kurioser Zufälle, denn Planung findet hier in keiner Weise statt, auf einmal in ruhigere Gewässer. Am Ende landet er gar in einer therapeutischen Klinik, wo freilich weniger die Selbstheilungskräfte aktiviert werden, sondern der Krankenhausalltag ordentlich aufgemischt wird. Eines ist ganz wichtig: Durch die ersten 20 Minuten von "Jesus‘ Son" muss man durch. So lange dauert es nämlich, bis man sich an den fehlenden Erzählfluss und die häufige Off-Kommentierung gewöhnt hat. Dann aber lässt man sich vom freien Assoziationsfluss des flippigen Geschehens treiben, ganz so, wie es auch der benebelte Protagonist des Films tut. Richtig Fahrt aufgenommen hat "Jesus‘ Son" dann nach einer knappen halben Stunde, wenn Fuck Head und ein besoffener Kumpel ein Einfamilienhaus zerlegen, nur um an die Kabel zu kommen, um diese beim Schrotthändler verscherbeln zu können. Ab da steigert sich der Film kontinuierlich und schwingt sich in seiner wunderbar antibürgerlichen Grundhaltung in immer höhere Leck-mich-am-Arsch-Gefilde. Die keineswegs störende mangelnde erzählerische Kontinuität erklärt sich daher, dass der Film auf eine Kurzgeschichtensammlung von Denis Johnson ("Schon tot") zurückgeht. Das absolute Highlight unter den zahlreichen Pluspunkten von "Jesus‘ Son" ist allerdings der Hauptdarsteller. Billy Crudup ("Almost famous"), ein bisschen der neue Johnny Depp, liefert eine Galavorstellung und hat ohne Zweifel eine Weltkarriere vor sich.




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