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Kritik: Vengo (2000)


"‘Vengo‘ ist ein Schrei, ein Gesang, ein Loblied auf das Leben, die Liebe, die Trauer und den Preis des Blutes. Eine Hymne auf den mediterranen Süden" (Tony Gatlif im Presseheft). Das hat Regisseur Tony Gatlif zwar ganz hübsch, wenn auch reichlich blumig, gesagt, aber der Film hält nicht einmal die Hälfte von dem, was da behauptet wird. Das liegt daran, dass hier Menschen mit ihren kulturellen Eigenheiten lediglich abgefilmt werden, ohne dass Motivationen, Bezüge oder Emotionen dargestellt würden. Gatlif benutzt für die Erzählung von dem stolzen Andalusier, der um seine Tochter trauert, sich seines behinderten Neffen annimmt und seine ganze Familie vor einer anderen Sippe beschützen will, die aufgrund einer Blutschuld Rache möchte, die Dramaturgie einer Fernsehreisesendung mit Musik. Nach kurzen erzählerischen Elementen schneidet der Film jedesmal sofort auf eine klagende Musiknummer, die zwar über die beteiligten Personen, aber sonst nicht direkt mit dem vorher gezeigten verbunden ist. Was bei der Reisesendung noch funktioniert, da jeder Teil als Informations- bzw. Unterhaltungsblock einzeln für sich stehen soll, ist bei einem Erzählfilm zum Scheitern verurteilt, da es dadurch an einer Motivation für Musik und Tanz fehlt. So kann man sich zwar noch am künstlerischen Schaffen Andalusiens erfreuen, Emotionen wollen aber nicht aufkommen. Dies vor allem auch deswegen nicht, weil Gatlif niemals den Versuch unternimmt, die fremde Kultur mit ihren mentalen Eigenheiten näher zu bringen. Seltsam hölzern inszeniert er Sequenzen von ausgelassenem Tanz mit starrer Kamera, so dass Distanz entsteht. Auf solche Weise verkommt "Vengo" zu einer Art Home-Video, dass für alle emotional Beteiligten von großem Wert ist, für alle anderen aber nur langweilig wirkt, weil sie nichts damit zu tun haben.





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