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Die Stille nach dem Schuss (2000)

User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Über die heitere Anarchie kommt Rita Vogt zum Terrorismus, verführt durch ihren Gerechtigkeitsinn und durch die Liebe zu Andi. Als sie das Scheitern der Bewegung erkennt, taucht sie in der DDR unter. Mit Hilfe der Staatssicherheit, personifiziert in Erwin Hull, beginnt für sie dort unter anderem Namen eine neue Existenz.

Rita führt sozusagen das normale Leben der Arbeiterklasse. Sie will ankommen, während ihre junge Kollegin Tatjana weg will, in den Westen. Zwischen beiden beginnt eine Freundschaft, der eine Fahndungsmeldung im Westfernsehen ein abruptes Ende setzt. Wieder muss Rita untertauchen. Mit einem neuen Namen in einer neuen Stadt scheint sie mehr Glück zu haben. Rita lernt im Urlaub den Studenten Jochen kennen. Er will sie mitnehmen nach Moskau. Doch dann wird Rita von ihrer Vergangenheit eingeholt, es ist das Jahr 1989 - die Mauer fällt, die DDR hört auf zu bestehen...

Filmkritik

Zu der an purzelnden Kapriolen nicht eben armen jüngeren deutschen Geschichte gehört auch die Kuriosität, dass diverse RAF-Mitglieder in den 80er Jahren von höchster Stelle aus der DDR in die DDR aufgenommen wurden. Was sich da an deutsch-deutscher Abgründigkeit auftat, ist bis heute wohl noch nicht restlos geklärt, fand jedoch in jedem Fall nach der Wende 89/90 ein vorläufiges Ende. Aber so ganz hat sich das allgemeine Kopfschütteln der politisch wachen Öffentlichkeit hierzulande immer noch nicht gelegt, die Fassungslosigkeit darüber, dass die selbsternannte Speerspitze des bewaffneten Befreiungskampfes sich ausgerechnet in die offenen Arme der institutionalisierten Spießigkeit geflüchtet hatte und sich dort gar noch wohlfühlte. So manch vormalige klammheimliche Freude aus distanzierter Beobachterposition wird sich im Nachhinein in ebensolche Beschämung gewandelt haben.
Wie auch immer, Material für diverse künstlerische Bearbeitungen von Zeitgeschichte wurde hier reichlich geliefert. Filmisch wäre vom sezierenden Psychodrame bis zur schrillen Groteske so einiges denkbar. Nun hat sich also Volker Schlöndorff des Stoffes angenommen, ein verdienstvoller Regisseur, der verschiedentlich bewiesen hat, dass politische Brisanz in spannende Filmgeschichten Eingang finden kann. In "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" war der deutsche Terrorismus schon einmal sein Thema gewesen.
Auch der neue Film beginnt in den 70er Jahren. Über romantisierende Anarchievorstellungen kommt Rita Vogt zur RAF. Hohe moralische Standards und die Liebe zum Terroristen Andi treiben sie in die Arme des bewaffneten Kampfes. Nach einem Mord an einem Polizisten steht sie ganz oben auf der Fahndungsliste. Die Flucht kreuz und quer durch Europa und den Nahen Osten endet in der DDR. Mit Hilfe der Stasi kann sie untertauchen und beginnt unter anderer Identität eine neue Existenz. Rita führt ein mustergültig braves Leben in den Reihen der Arbeiterklasse. Am Arbeitsplatz in der Fabrik freundet sie sich mit ihrer jungen Kollegin Tanja an. Sie hat genau die gegenteilige Fluchtbewegung, nämlich die in den vermeintlich goldenen Westen, im Kopf. Die Freundschaft der beiden völlig unterschiedlichen Frauen endet abrupt, als eine Fahndungsmeldung im Westfernsehen auf Rita aufmerksam macht. Erneut muss die mittlerweile geläuterte Terroristin fliehen. An der Ostsee lernt sie den Studenten Jochen kennen. Die gemeinsamen Pläne, zu heiraten und nach Moskau überzusiedeln, werden dann aber vom Mauerfall und dem Ende der DDR eingeholt.
"Die Stille nach den Schuss" ist eine recht herbe Enttäuschung. Der Film bleibt leider weit hinter den Erwartungen, die man speziell an Schlöndorff bei einem solchen Thema stellen durfte, zurück. Die Umsetzung des Drehbuchs von Wolfgang Kohlhaase ist dermaßen spröde und blutarm geraten, dass es völlig unklar bleibt, was den Regisseur eigentlich an dem Thema gereizt hat. Die meisten Personen bleiben austauschbare Marionetten, denen nicht selten unfreiwillig komische Texte in den Mund gelegt werden, was nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Geschichte beiträgt. Hinzu kommt, dass das Ganze äußerst bieder inszeniert ist und somit vom Gesamteindruck nicht selten an einen SAT 1 Fernsehfilm erinnert.




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Land: Deutschland
Jahr: 2000
Genre: Drama
Länge: 102 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 14.09.2000
Regie: Volker Schlöndorff
Darsteller: Bibiana Beglau, Nadja Uhl, Alexander Beyer
Verleih: Arthaus

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