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Kritik: Frau2 sucht Happy End (2000)


"How Can We Hang On To a Dream" und eine umherfliegende, sich rastlos und unentschlossen im Wind bewegende Plastiktüte bilden die Leitmotive zu Edward Bergers stilvoller Berlin-Romanze. Mehrmals wird der Song von Tim Hardin über die Tonspur in die Herzen und Gemüter des Publikums geblasen, um es so weiter in Stimmung zu halten. Die Moral von "Frau2..." ist in diesem Fall eine ganz einfache. Aus der Frage des Songs wird eine Notwendigkeit zum Überleben. Es geht an keiner Stelle des Films darum wie die verlorenen Seelen in der dunklen Nacht des eigenen Herzens es schaffen, an ihren Träumen festzuhalten, sondern darum, dass sie gar nicht anders können, weil sie sonst zugrunde gehen würden.
Da ist Ben Beckers Figur, die eine gehörige Portion Verbitterung und Zynismus vor sich herträgt, aber gleichzeitig voller melancholischer Verletzlichkeit wie ein Betäubter durch das Universum ihrer eigenen Seelenlandschaft schwebt und bei jedem Stein den sie umdreht doch nur Bilder vergangener Zeiten findet. Ganz anders dagegen Isabella Parkinson als nur schwer kleinzukriegende, sehnsüchtig auf Liebe hoffende Frau. Fast immer hat sie doch irgendwie ein Lächeln auf dem Gesicht. Stärker nach innen gekehrt hat sie weder die Möglichkeit noch den Willen, das, was sie bewegt, so nach außen zu tragen. "Wir waren das perfekte Paar, denn es hat uns nie gegeben", sagt sie an einer Stelle als Frau2 im Chat zu Ben Beckers "Nick" HappyEnd. Virtuell treffen sich die Menschen zur klinischen Zweisamkeit, dabei vergessend, dass ihre Existenz jetzt tatsächlich obsolet geworden ist. Denn ohne das wirkliche Erleben könnten sie auch an eine riesige "Matrix" angeschlossen sein und glücklich sein. Aber hierzu liefert "Frau2..." am Ende doch den Gegenentwurf, wenn es gerade die nicht perfekten sind, die zusammenkommen können.

So bündelt das Leitmotiv von der wehenden Plastiktüte tatsächlich die einzelnen Themen, angefangen vom auf der Stelle treten á la Ben Beckers Figur über die schwebende Gelassenheit im Strudel des Seins á la Isabelle Parkinsons Figur bis zur Chaotik des Unperfekten in den umhertollenden Wirbeln, zusammen.






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