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Das Meer
Das Meer
© Salzgeber & Co

Kritik: Das Meer (1999)


Eine Lanze für das Leiden des spanischen Volkes bricht der Katalane Augusti Villaronga in seiner Version von Thomas Manns "Zauberberg". Zäh, aber eindringlich beschreibt Villaronga die Agonie dreier Jugendfreunde, die sich in einem Lungensanatorium für TB-Kranke wieder begegnen. Sie sind traumatisierte Opfer des Bürgerkriegs und des nun herrschenden Franco-Regimes, versehen mit irreparablen seelischen und körperlichen Schäden. Im Siechtum steigert sich jeder einzelne in Verdrängungspraktiken, die neurotisch und erfolglos bleiben: Andreus zwanghafte Schürzenjagd, Manuels verlogener Katholizismus-Wahn, der seine Begierde nach Andreu nicht verdecken kann, Franciscas Flucht in die Entsagung: Villaronga zeichnet ein desperates Abbild eines ausgelaugten Volkes, das sich aus eigener Kraft nicht mehr retten kann. Chronologisch registriert der lähmende, deprimierende Plot den unaufhaltsamen Verfall. Weder sentimental noch anklagend, dadurch vielleicht etwas zu distanziert, wirkt diese Allegorie auf eine ohnmächtige Gesellschaft. Villaronga, dessen letzter Film, der übernatürliche Mystery-Thriller "99.9" hierzulande gar nicht erst ins Kino kam, meldet sich mit diesem letztjährigen Berlinale-Beitrag, dem der frisch getaufte Salzgeber-Preis zugedacht wurde, auf die Leinwand zurück - wo "El Mar" zweifellos hingehört.




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