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Tropfen auf heiße Steine
Tropfen auf heiße Steine
© Studiocanal

Kritik: Tropfen auf heiße Steine (2000)


Fassbinder geht ins nächste Jahrtausend und bleibt sich dennoch treu – in Francois Ozons Adaption des Fassbinderschen Bühnenstücks geht nur wenig vom Flair der Siebziger verloren. In der Person des Franz und besonders in all den subtil wie bissigen Dialogen bewahrt Ozon die Mischung aus Rebellion, Freiheitsdrang, Naivität und Verunsicherung, welche die 68er-Generation auf die Jugend der Siebziger Jahre abfärbte. Mit der konsequenten Beschränkung von Handlung und Kamera auf das Innere der Wohnung Leopolds vermeidet Ozon ein zeitgemäßes Aufpeppen des Stoffes und zwingt den Zuschauer zur Konzentration auf die kleinen heimlichen Gefühlsexplosionen, nicht zuletzt auch durch gezieltes Fokussieren von Gesten und Blicken. Ein ums andere Mal erzeugt Ozon allein durch die Kameraführung einen Kontrast zwischen Gesagtem (und es wird sehr viel gesagt in diesem Film) und Gemeintem, der die Stimmung in Leopolds vier Wänden des öfteren zum Siedepunkt bringt. Das geht bei Ozon, der auch in dieser Adaption seinem eigenen Stil treu bleibt, auch ohne spektakuläre Vorkommnisse oder actiongeladene Showdowns. Was in den Köpfen der beiden Männer und zuletzt auch der beiden zugehörigen Frauen vorgeht, ist spannend genug und wird durch diverse Barrieren und Hemmungen zusätzlich aufgeheizt. Der Kontrast zwischen den üppigen und teilweise witzigen Dialogen auf der einen Seite und der verdeckten Sprachlosigkeit auf der anderen Seite schüren die Neugier des Zuschauers und lassen die doch recht spärliche Kulisse eines einzigen Appartements schnell vergessen – eine Leistung, die schon beinahe an Hitchcocks "Cocktail für eine Leiche" erinnert, wobei Ozon auf eine Montage natürlich nicht verzichtet. Melodram und Komödie zugleich, glänzt dieser "Problemfilm" auch mit brillant inszeniertem Zynismus. Wer leichte Kost schätzt, ist mit diesem Film allerdings schlecht beraten.





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