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Kritik: Alaska.de (2000)


Eines der hartnäckigsten und immer wieder gerade von Cinéasten transportierten Vorurteile meint zu wissen, dass Video-Regisseure ihre Finger von Spielfilmen lassen sollten. Dies zu widerlegen braucht es eigentlich nur eine Liste von herausragenden videoerfahrenen Filmkünstlern, die vielleicht bei David Fincher (dem aufregendsten was Hollywood in den letzten zehn Jahren hervorgebracht hat) anfangen und ganz bescheiden bei Esther Gronenberg aufhören könnte. Die Absolventin der Hochschule für Film und Fernsehen in München hat nach diversen Musikvideos mit "alaska.de." ihren im vergangenen Jahr auf Festivaltour gewesenen ersten Spielfilm vorgelegt. Ihr ist eines der aufregendsten deutschen Debüts der letzten Jahre gelungen. Das kleine Meisterwerk besticht durch innovative Visualität, aber auch durch dramaturgische Stringenz und stimmige Atmosphäre. Der Film hat einfach alles, was man von herausragendem Kino erwarten darf. Zur Geschichte: Die 16-jährige Sabine zieht zu ihrem Vater in eine triste Berliner Plattenbausiedlung. Durch ihre offene Art und ihre Schlagfertigkeit verschafft sie sich in der kalten Umgebung Respekt und Anerkennung. Über ihren Mitschüler Eddie kommt sie in Kontakt zu dem 18-jährigen Micha, der auf dem besten Wege ist, eine kriminelle Laufbahn einzuschlagen. Eines Tages stößt Sabine auf dem Heimweg von der Schule auf den sichtlich gehetzten Micha, der mit einem Messer in der Hand flüchtet. Zwei Ecken weiter findet Sabine einen Mitschüler, der tot in einer Blutlache liegt. Wie gelähmt behält die 16-jährige die Entdeckung zunächst für sich. Doch schon am nächsten Tag ist der Tote das Gesprächsthema an der Schule. Sabines Schock vertieft sich, als sie am Telefon bedroht wird und der Anrufer offensichtlich Micha ist. Sie wendet sich nun an Eddi. Mit ihm teilt sie ihr Geheimnis. Zwischen den beiden wächst eine scheue Zuneigung. Noch ahnt Sabine nicht, dass Eddi seinerseits in den Mord verstrickt ist und herausfinden will, was seine Freundin tatsächlich gesehen hat. Schnell eskaliert die Situation innerhalb der Jugendlichen. Ein Happyend ist in dieser Situation nicht zu erwarten. "alaska.de." nimmt sein tristes Milieu ernst ohne sich auch nur ansatzweise in Sozialkitsch zu suhlen. Die verblüffende Authenzität des Films resultiert aus einer an dänische Dogmaregeln angelehnten, hochstilisierten Kameraarbeit und einer ungemein sorgfältigen Arbeit mit den jugendlichen Laiendarstellern. Ergebnis: aufregend und höchst sehenswert.




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