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Kritik: Allein unter Nachbarn - La Comunidad (2000)


Der Mikrokosmos einer Miethausgemeinschaft in Madrid wird zum Gegenstand einer furiosen schwarzen Komödie über den Menschen, der dem Mensch ein Wolf ist. Als Auslöser für die makabre Mär dient eine Summe von 300 Millionen Peseten, die ein alter Mann im Toto gewonnen hatte. Seitdem warten die anderen Mieter auf das Ableben des Millionärs, der trotz des Geldes seine letzten Jahre zurückgezogen im Elend verbringt. Zufällig gerät die abgetakelte Angestellte einer Immobilienfirma in das Haus, da sie dort eine wunderschöne, komplett eingerichtete Wohnung vermieten soll. Als sie die verweste Leiche sowie das Geld findet, glaubt sie bereits, dass eine paradiesische Zeit beginnt. Aber da hat sie die Rechnung ohne die Mitbewohner gemacht, welche seit dem Toto-Gewinn ihren Nachbarn rund um die Uhr bewacht haben und sich jetzt um den rechtmäßigen Reichtum gebracht sehen. Mit zynischer Konsequenz versucht die Hausgemeinschaft nun, der Immobilienfirma-Angestellten den Geldkoffer abzujagen.

Alex de la Iglesia begnügt sich in seinem fünften Spielfilm nicht damit, den Mensch als geldgieriges Individuum zu zeichnen, das über jede notwendige Leiche geht. Der Geldkoffer dient lediglich als Katalysator, um die Brüchigkeit menschlicher Zivilisationsschranken zu beleuchten. Am Anfang – wenn der Tote gefunden wird – heißt es: "Vermutlich hat sich die Katze wochenlang von seiner Leiche ernährt." In spiegelbildlich animalischer Weise wollen auch die Hausbewohner vom Todesfall profitieren. Mit makabrem Humor (manipulierte Fahrstühle, bizarr choreographierte Tode, etc.) reißt de la Iglesia das Gebäude aus Scheinsolidarität und zunächst harmloser Bereicherungsabsicht ein. Der gesellschaftliche Zusammenhalt verflüchtigt sich im dynamischen Prozess zusehends und Gewalt tritt an seine Stelle. Das pfiffige, variantenreiche Drehbuch nutzt den beengten Schauplatz auf eine furiose Weise, die zusätzlich noch Parodien auf "Star Wars" und "Matrix" bereit hält. Wer möchte kann "Allein unter Nachbarn" auch noch politisch deuten, wenn es heißt: "Republik, welche scheiß Republik?". Aber das ist nur so ein Gedanke.






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