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Zeit der Männer, Zeit der Frauen
Zeit der Männer, Zeit der Frauen

Zeit der Männer, Zeit der Frauen (2000)

La saison des hommes

Tunesisches Drama um eine Frau, die erst zu ihrem Mann nach Tunis ziehen darf, wenn sie ihm einen Sohn gebärt hat. Einfühlsam schildert die Regisseurin Moufida Tlatli den Gegensatz zwischen Tradition und Moderne in einem arabischen Land...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse ??? / 5

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Aicha lebt als junge Frau auf der Insel Djerba. Nach ihrer Hochzeit mit Said möchte sie ihm nach Tunis folgen. Dort arbeitet er mit seinen Brüdern zusammen elf Monate im Jahr, um Geld zu verdienen. Wie die anderen Frauen bleibt Aicha also im Haus ihrer Schwiegermutter, weil sie erst nach Tunis ziehen darf, wenn sie einen Sohn zur Welt bringt. Die alljährliche Heimkehr der Männer wird wie ein Ritual ähnlich der Hochzeitsnacht gefeiert und nach dieser "Zeit der Männer" kehrt für Aicha und die anderen der strenge Alltag unter ständiger Aufsicht und vielerlei Verzicht wieder ein. Die Jahre vergehen und es werden Said zwei Töchter geboren. Endlich aber bringt Aicha auch einen Sohn zur Welt, Aziz. Doch mit der Behinderung ihres dritten Kindes wird das Leben selbst in der neuen Heimat Tunis zur Qual. Sie erhält dort nicht mehr Freiheiten als vorher und begreift, dass sie für ein eigenes selbstbewusstes Leben kämpfen muss. Zusammen mit ihren beiden Töchtern beginnt ein Kampf zwischen den Fronten von Tradition und Moderne. Auf der Suche nach der Freiheit beginnt die "Zeit der Frauen"...

Filmkritik

"Zeit der Männer, Zeit der Frauen" ist ein sehr persönlicher Film, wie Regisseurin Moufida Tlatli sagt. Während sie ihr erstes Werk "Palast des Schweigens" für sich machte, soll "Zeit der Männer, Zeit der Frauen" Fragen beantworten, die sich möglicherweise ihre Tochter stellt. Dementsprechend folgt Tlatli den eigenen Erfahrungen als Mutter, um so einen Bogen zur Erlebniswelt der eigenen Tochter zu spannen, die hilflos den gesellschaftlichen Strukturen ausgesetzt war. Persönliches Erleben kann sich sehr negativ auf eine künstlerische Verarbeitung auswirken, da verzerrte Gewichtungen den eigenen Blickwinkel überbewerten, ohne eine globalere Sicht auf das Thema zu entwickeln. Moufida Tlatli versucht deswegen, den großen Vorteil der Authentizität nicht zunichte zu machen, indem sie sich eine nüchterne Erzählweise zulegt. Hierbei betreibt die engagierte Regisseurin jedoch des Guten ein bisschen zuviel. Der zurückhaltende Stil kann nur noch mit größtem Wohlwollen als dokumentarisch bezeichnet werden. Statt einer Bilderzählung, die auch mal die ein oder andere Sequenz dramatisiert oder leicht polemisch gestaltet, erhält der Zuschauer eine Dialogerzählung, die sich zunehmend von den Bildern abkoppelt. Das betrifft sicherlich nicht den ganzen Film und jede Sequenz, aber im Gesamtbild macht sich dieser Eindruck breit. Ständig bekommt man die Frauen in ihren Häusern zu sehen, ohne dass diesem Standort etwas abgewonnen würde, geschweige denn etwas nennenswertes passiert. Insofern wäre eine um zusätzliche Informationen ergänzte Drehbuchfassung ein höchst interessantes Pamphlet über den gesellschaftlichen Hintergrund Moufida Tlatlis.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Frankreich, Tunesien
Jahr: 2000
Genre: Drama
Länge: 124 Minuten
Kinostart: 11.10.2001
Regie: Moufida Tlatli
Darsteller: Rabia Ben Abdallah, Sabah Bouzouita, Ghalia Benali
Verleih: Kairos Film



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