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Kritik: Yi Yi (1999)


Mit genauester Beobachtungsgabe fühlt Edward Yang in seinem meisterlichen siebten Werk "Yi Yi" einer taiwanesischen Mittelstandsfamilie nach. Der zurecht in Cannes letztes Jahr mit dem Regiepreis ausgezeichnete Film weist ein Spektrum an Lebensnähe auf, das sich über drei Stunden ausbreitet und diese auch benötigt.

Die Mitglieder der vielköpfigen Familie sind auf sich allein gestellt, als sie auf Probleme stoßen, die bislang keine waren. Ruhig und respektvoll nähert sich Yang ihren Emotionen, Wünschen, Hoffnungen. Er legt ihnen Schwierigkeiten und Fragen in den Weg, die nicht im Handumdrehen zu lösen sind. Glück und Sorgen halten sich die Waage, finden Eingang in lebenserfahrende Überlegungen, ohne didaktisch zu wirken.

Die frappierende Alltagsnähe bedingt ein großes Identifikationspotenzial. Dafür verzichtet Yang auf große Dramatik und lässt die kleinen Momente zu den wichtigen werden. Es gibt keine Plotpoints, entscheidende Sekunden, sondern Entwicklungen, die fast unmerklich die Personen reifen lassen.

Am Schleifstein Leben beißen sich die Figuren fast die Zähne aus, drohen zu verzweifeln - und meistern ihre Probleme schließlich mit realistischen Einsichten. Früher hätte man dazu Dialektik gesagt, heute nennt man es der Komplexität des Lebens ins Auge sehen. So ehrlich und gleichzeitig ungemein optimistisch hat selten ein Regisseur erzählt.






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