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Kritik: Songs from the Second Floor (2000)


Cool. Dieser Film ist cool. Die Welt wird verrückt, die Toten stehen auf, aber alle bleiben relativ locker. Was soll man auch tun? Die Endzeit beginnt in der Stadt, die von einem ungeheuren Stau verstopft wird. Sich geißelnde Büßer drängen vorwärts. Die Farben, scheint es, haben die Welt schon verlassen, alles ist fahl und blaß, grünlich blau. Lebende sehen aus wie Zombies, die Toten fallen kaum auf (außer ein junger Russe aus der Vergangenheit, der noch den Strick um den Hals trägt).
Ältere Männer haben das Sagen. Der älteste, ein General und genau 100 Jahre alt, empfängt militärische Würdenträger in seinem Gitterbett, auf dem Topf. Bei einem Meeting der Wirtschaftsexperten hilft auch die Wahrsagerin nicht mehr. Und Karl, der seine Firma für die Versicherungsprämie verbrannte, ist verzweifelt. Sein Sohn schrieb Gedichte und wurde verrückt. Jesus wurde schließlich nur gekreuzigt, weil er ein guter Mensch war. Und so landen die Kruzifixe auf dem Müll...
Die absurde Welt ist sorgsam um die Kamera herum komponiert, im Weitwinkel, ohne Close-Ups. Jede Szene ein Bild- als hätte Kafka Edward Hopper diktiert. Die Räume sind klar und trist. Und teilweise auf eine unspektakuläre Weise gruselig- eine unendliche Schalterhalle etwa, in denen Menschen mit lächerlich vollgepackten Trolleys nur sehr mühsam, wie in Zeitlupe, vorwärts kommen. Was gesagt wird, ist lakonisch oder komisch. Obwohl das nicht immer so sein soll.
Vier Jahre hat der Schwede Roy Andersson mit diesem Film verbracht. Einige Ideen sind schon zwanzig Jahre alt. Da kein konventionelles Script vorlag, gab's auch kein Geld. So stellte Roy Andersson aus eigener Tasche fünfzehn Minuten Film fertig und versuchte es noch einmal- mit Erfolg.
Die Darsteller suchte er auf der Strasse. Lars Nordh, ein Buchdrucker, der "Karl" spielt: "Als ich gerade mit meiner Frau bei Ikea nach einer Tischdecke suchte, kam dieser völlig Unbekannte zu mir, und fragte, ob ich Probeaufnahmen mit ihm machen möchte. Ich hatte "A Swedish Love Story" als junger Mann gesehen, war mir aber noch nicht sicher. Ich lief ohne Neugier weiter."
Songs from the Second Floor erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Special Jury Prize in Cannes (2000).





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