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Kritik: Das Frühlingstreffen (1999)


Vier Feldhüter in vier Jahreszeiten, gefilmt von vier unterschiedlichen Kameraleuten zu Vivaldis gleichnamiger Musik. Mit dieser formalen Konstruktion erzählt Dimos Avdeliodis seine Geschichte aus einem Griechenland während der Mitte des 20. Jahrhunderts, das es so heute kaum noch gibt. Und genauso reichhaltig wie das berühmte Musikstück des italienischen Barock mit seinen verschiedenen verspielten Motiven sowie der durchgehenden Grundstruktur lesbar ist, entwickelt sich auch "Das Frühlingstreffen" zu einem facettenreichen Stück europäischem Kino. Am eindrucksvollsten erscheinen das historische Portrait und die hintersinnige politisch-theoretische Parabel.

Der Zuschauer wird entführt in eine Zeit, als sich in den kleinen Dörfern Griechenlands noch eine liebenswerte Form der Anarchie ihren Raum brach. Die Begriffe von Recht und Unrecht waren aufgrund der Armut ein wenig in Unordnung geraten, so dass des öfteren der ein oder andere Diebstahl von Feldfrüchten, Holz oder ähnlichem beklagt wurde. Das Bollwerk vor solchem Treiben sollten die Feldhüter sein, welche innerhalb eines zugewiesenen Bezirkes die Felder zu bewachen hatten. Das persönliche Schicksal der schlecht bezahlten Staatsdiener verbindet sich mit der widerspenstigen Mentalität der Dorfbewohner zu einem differenzierten Bild. Dabei erscheinen die Feldhüter entweder als Kämpfer gegen die Hydra, welcher für jeden abgeschlagenen Kopf drei neue wachsen, wenn sie ein strenges Regiment einführen, oder aber als wenig durchsetzungsfähige, tragische Gestalten. Darin spiegelt sich über die historische Linie hinaus, ein allgemeiner staatstheoretischer Kommentar, der aufgrund der allgegenwärtigen Bauernschläue überaus vergnüglich transportiert wird. Jeder der vier Feldhüter kann in diesem Sinne als eine Ausprägung der Macht eines modernen Staates gesehen werden. Der erste symbolisiert die Gefahr von korrumpierbaren, untätigen Beamten. Im Sommer verbringt er die meiste Zeit unter einem Olivenbaum, bis ihn Bienen in die Flucht schlagen. Der zweite versucht sich als strenger Herr, wobei er sich in Nichtigkeiten verzettelt und so seine Aufgabenerfüllung lähmt. Der dritte stolpert über seine zu enge Beziehungen zum Volk, während sich der vierte schließlich von seiner Verpflichtung frei macht, um der Macht der Liebe zu erliegen. Spätestens in dieser letzten Episode fließen auch lyrische Momente ein, die den Film zusätzlich als moralischen Bänkelgesang erscheinen lassen.

"Das Frühlingstreffen" verbindet über die formale Vierfachstruktur persönliches Schicksal mit historischem Gesellschaftsbild, menschliche Schwächen mit kollektiver Aufmüpfigkeit und politische Parabel mit moralischer Weisheit.





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