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Kritik: Das Experiment (2001)


Eine Premiere: Da steht ein Publikumsrenner ins Haus und dass der packende Thriller ein deutsches Produkt ist, sollte zu denken geben, denn Thema und Art sind geradezu einzigartig. Basierend auf den Aufzeichnungen über das Stanford-Experiment in den 70er Jahren, strickt der bisherige TV-Regisseur Oliver Hirschbiegel ein simples wie beeindruckendes Rezept, das einen Überraschungserfolg im Millionenbereich ermöglichen sollte. Dabei fängt alles holprig und irgendwie überhastet an mit einer übertrieben romantische Beziehung und plakativen Figuren in formelhafter Konstellation. Die Stärken wachsen mit zunehmender Laufzeit. Hirschbiegel nutzt die Personen wie in einem sadistischen Schachspiel: jede übernimmt eine Funktion, die nur der Spannungserzeugung dient. Da spielen auch fahrlässige Sicherheitsmaßnahmen und andere Unglaubwürdigkeiten nur eine untergeordnete Rolle. Wo das Originalexperiment abgebrochen wurde, setzt Hirschbiegel an und konfrontiert uns mit einem Szenario, das den Sadismus und die Entmenschlichung der Nazis veranschaulicht. Ein wunder Punkt, für den ein bundesdeutsches Publikum mehr als sensibilisiert ist. In einem unaufhörlich anschwellenden Crescendo geht Hirschbiegel zudem weiter, als man es erwartet. Mit Konsequenz steigert sich sein Werk in einen beklemmenden Psychoterror, der einen wie paralysiert zurücklässt. So mitreißend dieses überaus gelungene Experiment auch sein mag, so spekulativ reizt es seinen Inhalt aus. Wo man sich kritisch zum Thema Gewalt äußern könnte, setzt Identifikationsfigur Moritz Bleibtreu auf blutige Vergeltung. Die befriedigt zwar die Gefühle des Zuschauers, gehorcht aber dem Prinzip eines Selbstjustizthrillers amerikanischer Prägung. In einen derart physisch präsentem Reißer schmälert das zwar den intellektuellen, nicht aber den Kassenwert.





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