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Brot & Tulpen
Brot & Tulpen
© Universum Film

Kritik: Brot & Tulpen (2000)


Wenn es ein Echtheitszertifikat für Filme gäbe, hätte dieser eines bekommen müssen. Wie schön Wirklichkeit und Mittelmaß sein können, haben uns ja die Giga-Produktionen aus Hollywood und ihre zweifelhaften Mini-Abgüsse aus Deutschland schon lange mit Erfolg vernebelt. Sämtliche Personen wirken unglaublich faszinierend, weil authentisch. Dies ist kein Film großer Gesten und pathetischer Extreme, ein Film ohne ablenkende Gewalt und auch nicht die übliche Drogentristesse. Nein, dieser Film will einfach nur erzählen und ablichten, wobei Regisseur Soldini seinen Fokus auf die kleinen unspektakulären Dinge legt, die gerade in ihrer Kleinheit und Zaghaftigkeit die Größe seiner Protagonisten nahe legt. Was nicht heißen soll, dass hier mit dem Zeigefinger gearbeitet wurde. Lediglich ein bisschen weniger Moral hätte dem Film noch besser getan, doch selbst die kommt nur in zarter Form daher. Mut zur Normalität und die Abkehr vom trügerischen Größenwahnsinn im Filmbusinness machen "Brot und Tulpen" zu einem wunderschönen Vorgeschmack auf die kleinen Geheimnisse echten Lebens, ohne technischen Firlefanz und schwulstige Bildpanoramen bemühen zu müssen. Wer beim Anblick Venedigs auf die Präsentation der üblichen Klischee-Kulissen vom Markusplatz bis zur Seufzerbrücke wartet, der sollte sich lieber einen Leporello für dreihundert Lire kaufen – was sich hinter den Kulissen in den weitversprengten Nischen der gewöhnlichen Menschen abspielt, ist hier von Interesse. Bruno Ganz als feinsinniger Kellner bringt ebenso viel Lebenskultur in dieses Werk ein wie Licia Maghlietta, die als stille Dulderin ihres kontrollierenden Gatten überzeugt und ihren aufkeimenden Lebensdurst in den stillen Ecken Venedigs kaum glaubwürdiger darstellen könnte. Endlich mal wieder ein Ruhmesblatt aus dem offenbar zu Unrecht kleinlaut gewordenen Filmland Italien.




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